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EXTREM NAH - Lifeless


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20. Kinofest Lünen - Lifeless



Am späten Freitag Abend stand mit "Lifeless" der neue Filme des Lüner Independent-Filmers Ralf Möllenhoff im EXTRAM NAH Programm. Im gut zur Hälfte gefüllten Kinosaal war die Stimmung schon vor dem Filmstart bestens. Wie üblich waren einige Fans des Untergrund-Filmers wieder anwesend, um der Uraufführung des neuesten Horrorstreifens beizuwohnen. Als Möllenhoff von seinem Onkel das Angebot bekam, in dessen Ferienhaus in Kroatien 2 Wochen Urlaub zu machen, reagierte er erst mal ähnlich, wie es die meisten von uns auch tun würden. Er packte die Koffer, nahm Frau und Kind und bestieg den Flieger. Allerdings hatte Ralf Möllenhoff dabei mit seiner Filmausrüstung und einem fertigen Drehbuch ein etwas anderes Gepäck als der übliche Pauschaltourist. Aus den 2 Wochen wurden am Ende 3, doch dafür hatte er in der Zeit genügend Material auf Film gebannt, um seinen Film fertig stellen zu können.  




Dadurch, dass sämtliche Aufnahmen in Kroatien ohne die anderen Darsteller gemacht werden mussten, spielt Möllenhoff diesmal auch selbst die Hauptrolle des verzweifelten Alan Poemah. Der Name ist eine erneute Verbeugung vor einem der Lieblingsautoren des Filmemachers, Edgar Allen Poe, der in dieser Variation allerdings schon ein wenig gewöhnungsbedürftig klingt. Besser gelungen ist eine Hommage an ein anderes seiner Idole bei dem Straßenmusikanten Giovanni Amato, der von seinen Freunden nur Joe genannt wird. Denn auch mit Exploitation-Filmer Joe (D')Amato verbindet Möllenhoff positive Erinnerung. Vor allem dessen "In der Gewalt der Zombies" war in gewisser Weise prägend für ihn. Mit seiner Verbeugung vor Genre-Klassikern überzieht Möllenhoff es dann aber doch deutlich, als Giovanni auf die Frage, warum er denn seine Heimat Venedig verlassen hat, mit "Es ist nicht mehr das alte Venedig, es ist, als wenn die Gondeln Trauer tragen würden" antwortet.  

Nachdem der letztjährige Beitrag "Nerves" ein wunderbar auf die Leinwand gebannter Albtraum war, fragten sich die Zuschauer im Publikum natürlich, was sie bei diesem Film erwarten würde. Auch die Darsteller, zu denen unter anderem der in der Region bekannte und beliebte Radiomoderator Lothar Baltrusch von Antenne Unna gehört, hatten keine Ahnung, was sie erwarten würde. Sie selbst kannten nur die Sequenzen, in denen sie selbst auch zu sehen sind. Der Film beginnt dann damit, dass Familie Poemah Urlaub in einem einsam gelegenen Haus auf einem Hügel in Kroatien macht, wo Frau und Sohn dann kurze Zeit später spurlos verschwinden. Die örtliche Polizei nimmt die Sache noch nicht sonderlich ernst und ist der Überzeugung, dass die beiden sich schon bald selbst wieder einfinden werden. Poemah glaubt allerdings nicht daran und versinkt immer mehr in düsteren Bildern und Visionen. Er hört von alten Erzählungen, die besagen, dass dämonische Kräfte auf dem Hügel am Werke sind und macht Bekanntschaft mit einem unterirdischen, sehr flachen Tunnelsystem, das sich quer durch den Hügel zu ziehen scheint. Dass sein unheimlich aussehender Nachbar in der Nacht ein Beil schwingt, um damit Menschen, die in blutige Tücher gewickelt sind offensichtlich bestialisch zu zerstückeln, trägt ebenfalls nicht gerade zu seiner Beruhigung seiner Stimmungslage bei.  




Optisch ist Möllenhoff mit seinem neuen Film wieder ein deutlicher Schritt nach vorne gelungen. Bereits mit "Nerves" hatte er einige gute Einstellungen, Schnittfolgen und Bewegungsabläufe hinbekommen, bei "Lifeless" hat er diese noch einmal verfeinert und zaubert mit intensiven Bildern die Angst von Poemah in den Kinosaal. Die ständige Musikuntermalung, die in ihrer Einsatzweise erneut an die Arbeiten von John Carpenter erinnert, sorgt durchweg für ein mulmiges Gefühl und lässt das Publikum nachfühlen, in welcher Gemütsverfassung sich der tragische Held des Filmes befindet. Was die Spannung anbetrifft, so hat "Lifeless" sicherlich einige bemerkenswert stimmungsvolle Bilder zu bieten. Man erkennt in diesen vor allem die Liebe des Regisseurs zum italienischen Genre-Kino der 70er- und 80er-Jahre, in denen Großaufnahmen der Augen zum Alltagsbild gehören. Aber auch Aufnahmen von Grashüpfern oder Spinnen tragen ihren Teil dazu bei, dass eine gruselige Gesamtatmosphäre fast den gesamten Film über herrscht. Der Wechsel zwischen den Szenen, die in Kroatien und Lüner Umgebung gedreht wurden, sind nur selten deutlich zu erkennen. Meist ist der Wechsel des Drehortes nur dann wirklich zu sehen, wenn man die entsprechende Location kennt. Teilweise kamen Greenscreen-Techniken zum Einsatz, die aber gut umgesetzt wurden. Lediglich in Szenen, wie denen in einem alten, heruntergekommenen Kino lassen unschwer erkennen, dass es sich dabei nicht um die kurz vorher in Außenaufnahmen gezeigte Kulisse handelt.  

"Lifeless" leidet aber leider auch unter den üblichen Schwächen einer Independent-Produktion mit Laiendarstellern. Dazu zählen vor allem sehr hölzern vorgetragenen Dialoge, die auch inhaltlich oft zum unfreiwilligen Schmunzeln verleiten. Während die Inszenierung weitgehend richtig gut gelungen ist, gibt es somit darstellerisch noch einige Luft nach oben. Vielleicht wäre es der richtige Weg, in Zukunft einmal bei tragenden Rollen versuchsweise auf Jungschauspieler von den Hochschulen zurückzugreifen, damit die künstlerische Diskrepanz zwischen Darstellung und Inszenierung geringer wird.  

Der Story selbst geht leider zusehends die Luft aus. Wirkt das Mysterium um die unheimlichen Vorgänge auf dem einsam gelegenen Hügel zu Beginn noch interessant, verliert diese mit der Zeit an Faszination und zieht sich zum Ende hin zusehends. Der Unheimliche mit der Axt, der gerade zu Beginn für eine düstere Atmosphäre sorgt, wird zum Ende hin seiner Düsternis beraubt. Die ebenfalls in Kroatien gestrandete Fabrime Neustädt kann zu Beginn für eine Weiterführung der Spannung sorgen, indem sie neue Erkenntnis in die Handlung einbringt, zum Ende hin gibt sie aber nur noch Wiederholungen von Altbekanntem wieder. Der Kommissar wird in der Mitte des Films, wo er eigentlich konsequenterweise eine gewichtige Rolle hätte spielen können/müssen, vergessen, nur um am Ende noch einmal einen nachgeschoben wirkenden Einsatz zur Abrundung zu haben. Joe Amato ist sicherlich die sympathischste Erscheinung im Film, ist aber auch nicht mehr als ein Sidekick voller Klischees, die in dieser Funktion aber zumindest bestens funktioniert. Bleibt noch der unheimliche Priester, der als einzige Figur im Film von Anfang bis zum Ende konsequent zum Einsatz kommt und sicherlich die prägendste Person im Ensemble ist. Nicht zuletzt deswegen, weil Roland Riemer, der auch in den vorhergehenden Filmen Möllenhoffs mit von der Partie war, alleine durch sein Auftreten eine ähnliche Rolle in den Möllenhoff-Filmen innehat, wie z.B. auch Michael Berryman im originalen "The Hills have eyes". Er ist ein markanter Charakterkopf mit hohem Wiedererkennungswert.  




Als Fazit muss man sagen, dass es Ralf Möllenhoff mit "Lifeless" seinen großen italienischen Vorbildern aus den 80er-Jahren nachgemacht hat. Mit einer gehörigen "Style over Story"-Auslegung präsentiert er gruselige Bilder in einer eher durchwachsenen Story. Man kann den Film vielleicht am ehesten mit den Werken Lamberto Bavas vergleichen, der mit "Die Gruft" oder "Ghosthouse 2" ähnlich gelagerte Beiträge lieferte, dabei aber natürlich ein deutlich höheres Budget und vor allem erfahrenere Schauspieler zur Verfügung hatte. Zu sagen, dass Ralf Möllenhoff mit "Lifeless" eine deutsche No-Budget-Antwort auf die Horrorfilme Lamberto Bavas liefert, ist sicherlich nicht ganz aus der Luft gegriffen. Die Fans seiner Filme freuen sich sicherlich schon jetzt auf das nächste Kinofest, bei dem dann hoffentlich die nächste Premiere des sympathischen Independent-Filmers auf dem Programm stehen wird.


Special vom: 21.11.2009
Autor dieses Specials: Michael Tomiak
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