20. Kinofest Lünen - Anne Perry - Interiors
Als erster Film im Wettbewerb um den Hauptpreis des Festivals, die LÜDIA, ging am frühen Freitagnachmittag die Dokumentation "Anne Perry - Interiors" an den Start. Die zu diesem frühen Zeitpunkt anwesenden, geschätzten 40 Besucher erlebten einen ruhigen Dokumentarfilm, der seine Protagonistin vorstellt und einen tiefen Einblick in ihr Inneres ermöglicht. Anne Perry ist mit 25 Million verkauften Büchern und der Gesamtzahl von 58 veröffentlichten Werken eine der erfolgreiche Schriftstellerin Großbritanniens. Die in London geborene Perry lebt und arbeitet heute zurückgezogen im schottischen Dorf Portmahomack, wo sie ihren Bruder und eine handvoll Beschäftigter eng um sich hat, die ihr im Alltag und bei der Arbeit zur Hand gehen. Diese intime Umgebung konnte Regisseurin Dana Linkiewicz mit ihrem Filmteam für sechs Wochen einsehen und damit ihren Abschlussfilm für die KHM (Kunsthochschule für Medien) erarbeiten. In dieser Phase entstanden 120 Stunden Filmmaterial, die nach Aussage der anwesenden Regisseurin, über den Zeitraum eines Jahres zum vorliegenden Wettbewerbsbeitrag zusammengeschnitten wurden.

Als Ziel formulierte die junge Filmemacherin, sollte der Mensch Anne Perry im Vordergrund stehen. Dem Publikum sollten Einblicke in das zurückgezogene Alltagsleben gewährt werden. Besonderes Augenmerk liegt in der Vergangenheit der Autorin. Mit 15 hat sie, zusammen mit einer Freundin, deren Mutter ermordet. Diese Geschichte wurde von "Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson 1994 im Spielfilm "Heavenly Creatures" erzählt - bis dahin war Anne Perry, die ihren Geburtsamen Juliet Hulme nach der Gewalttat geändert hat, ausschließlich als Romanautorin bekannt. Die schwere Vergangenheit war plötzlich wieder präsent und bleibt bis heute für Perry unbewältigt. Diese Dokumentation zeiht eindringlich ihre Haltung und den inneren Schmerz zu der Tat. Perry redet nur selten über die Vorkommnisse. Stets verändert sich die Mine, ihre Gesichtszüge wirken gequält und schuldbelastet. Sensibel aber zielstrebig bringt Linkiewicz die Vergangenheit in die Gegenwart und lässt neben der Protagonistin auch deren engste Vertraute zu Wort kommen. Stets wird das scheinbar alles überschattende Verbrechen thematisiert, aber alle Interviewpartner rücken stets den Menschen Anne Perry in den Mittelpunkt des Gesprächs und beschreiben ihre persönliche Beziehung.

Ohne einen wertenden Offscreen-Kommentar sondern lediglich durch die Aussagen der Vertrauenspersonen Perrys und ihrer eigenen Sätze schafft es der Film, zum einen die Autorin wie auch den schuldbelasteten Mensch zu portraitieren. Landschaftsaufnahmen der schottischen Umgebung, viele Eindrücke aus Perrys Haus und ihren Arbeitsräumen, sowie die Interviewabschnitte ergeben einen informativen und einfühlsamen Film über eine interessante Person.
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