20. Kinofest Lünen - Die Liebe der Kinder
Franz Müllers Film „Die Liebe der Kinder“ zog am frühen Freitagabend zwischen 50 und 60 Besucher in Kinosaal 2 der Cineworld Lünen. Das Drama lief im Wettbewerb um die LÜDIA und handelt von zwei einsamen Menschen um die 40, die über das Internet aufeinander aufmerksam werden: Robert (Alex Brendemühl) und Maren (Marie-Lou Sellem). Eine Autobahnraststätte wird auserkoren um sich persönlich kennen zu lernen. Bald funkt es heftig und fortan leben beide in harmonischer Zweisamkeit. Kurze Zeit später zieht Maren mit Robert zusammen. Auch ihre Tochter Mira (Katharina Derr) versteht sich hervorragend mit Roberts Sohn Daniel (Tim Hoffmann). Alles scheint für die beiden bestens zu laufen.

Die familiäre Harmonie wird jedoch erheblich gestört, als Maren ihre Tochter mit Daniel im Bett erwischt. Während Robert diese Entwicklung recht locker nimmt, kann sich Maren mit der neuen Situation nur schwer arrangieren. Mira und Daniel führen schnell die harmonischere Beziehung, kann sich doch gerade die akademisch gebildete Maren immer weniger mit der eigenen Liaison abfinden. Zu groß ist die Differenz zu dem handwerklich arbeitenden Robert, der wiederum kann etwas mit den Interessen der passionierten Literaturwissenschaftlerin anfangen. Die Lücke klafft immer weiter auf - bald flüchtet sich Maren in eine Affäre. Kurz darauf trennen sich die Erwachsenen, eine Entwicklung, die auch Auswirkungen auf die Beziehung ihrer Kinder hat.
„Die Liebe der Kinder“ seziert die Beziehung von Robert und Maren auf das Genaueste. Detailliert schildert das Drama die schwere Phase des Auseinandergehens und nimmt sich viel Zeit für die Charaktere. Dabei reitet Regisseur Franz Müller aber zu auf der Krise der Eltern herum, ohne dabei die Beziehung der Kinder näher zu beleuchten. Gerade die Konstellation, dass sich aus dem Zusammenkommen der Eltern auch eine Beziehung zwischen den jeweils vom Partner mit in die neue Familie gebrachten Kinder entwickelt, ist im Grunde genommen sehr reizvoll. Gerade hier wäre ein Ansatz gewesen, den Film vielschichtig zu machen und mit interessantem Inhalt zu füllen. Doch die Fokussierung auf Maren und Robert ist leider zu intensiv geraten und bietet der Liebe der Kindern keinen Raum im Story-Konstrukt, um sich entfalten zu können.

Marens Verhalten erscheint zudem des Öfteren reichlich überzogen und ihre Meinungen werden zu wenig erklärt. Welche Bedenken hat sie im Hinblick auf die Beziehung zwischen den Kindern? Auch Roberts Haltung zu dieser Problematik wird nicht ausgeführt. Vielleicht sind es auch die vielen unglücklich platzierten Einschübe, die so verwirrend wirken. Maren besucht einen fremden Mann, wie sich herausstellt war sie früher in ihn verliebt. Ob sie durch diesen Besuch erkennt, was ihr bei Robert fehlt, wird allerdings nicht ganz klar. Er im Gegensatz trifft sich mit einer Frau, wahrscheinlich die geschiedene Ehefrau und Daniels Mutter. Doch auch hier fehlt die genaue Bedeutung dieses Treffens für den Charakter und die Weiterentwicklung der Story.
Am Ende treffen sich Maren und Robert erneut auf dem Rastplatz und sehen bei den Renovierungsarbeiten der Gaststätte zu. Ein Bildnis, das auch auf ihre Beziehung passt. Scheinbar renovieren sie ihr Leben ebenfalls. Wie es weiter geht, lässt der Film offen und entlässt den Zuschauer etwas unbefriedigt ins Foyer.
|