20. Kinofest Lünen - Unter Bauern
Der vierte Kinofest-Tag stand ganz im Zeichen des EXTRA Matinée mit dem Film "Unter Bauern". Gleich dreimal lief das Drama mit Veronica Ferres und Armin Rohde im Rahmen des Festival-Sonntags. Über die bei allen Vorstellungen gut gefüllten Kinosäle mit Zuschauern jeder Altersstufe freute sich die anwesende Marga Spiegel, auf deren Erinnerungen der bewegende Film von Regisseur Ludi Boeken ("Deadlines") basiert. Die Zeitzeugin stand dem Publikum für persönliche Gespräche zur Verfügung und signierte geduldig Bücher und andere Artikel zum autobiografischen Film.

Nazi-Deutschland in Westfalen: Alle Juden werden deportiert, in der verunsicherten Bevölkerung grassieren wilde Spekulationen über die Vorhaben der Nazis. "Von dort kommt doch keiner mehr zurück", kommentiert Bauer Aschoff (Martin Horn, "Maria, ihm schmeckt's nicht!") die Gespräche unter den Einwohnern über die Abtransporte in Richtung Osten. Im Angesicht dieser drohenden Gefahr bittet Menne Spiegel (Armin Rohde, "Ein Schnitzel für drei") den befreundeten Bauern Aschoff - einen alten Kameraden, mit dem er Seite an Seite für Deutschland im ersten Weltkrieg gekämpft hat - seine Frau Marga (Veronica Ferres, "Rossini") und die Tochter Karin (Luisa Mix) auf dem Bauernhof vor den Nazi-Soldaten zu verstecken. Dem alten Freund verbunden, stimmt der mutige Bauer trotz großer Bedenken der eigenen Familie zu und setzt sich dem Risiko aus, als Judenhelfer selbst von den Nazis getötet zu werden.
Marga und Karin wohnen und arbeiten den Sommer über auf dem Hof, sind ein ums andere Mal eine nützliche und helfende Hand für Frau Aschoff (Margarita Broich, "This Is Love") und deren Tochter Anni (Lia Hoensbroech, "I like Chinese"). Die anfänglichen Vorbehalte schwinden und auch die schüchterne Karin freundet sich mit den Kindern aus der Nachbarschaft an. Manni kommt währenddessen bei verschiedenen Bauern in der nahem Umgebung unter und kann so überleben. Die alten Kriegskameraden stehen dem vom deutschen Vaterland verratenen Juden bei und helfen wo sie können. Zu jeder Zeit lauert die Gefahr für die Spiegels entdeckt zu werden. Jede fremde Person die auf den Bauernhöfen vorbeikommt, bringt die Gefahr mit sich, die Juden zu entlarven. Diese allgegenwärtige Gefahr und die Angst entdeckt zu werden, ist im Film zu jedem Zeitpunkt spürbar. Auch wenn es ein Film wohl kaum vermag, den vollen Umfang der panischen Angstgefühle dieser Menschen vor Verfolgung und Tod transportieren zu können - "Unter Bauern" zeigt die Ängste und Empfindungen der Protagonisten vor dem Nazi-Regime mit größtmöglicher Authentizität, so dass der Zuschauer einen beklemmenden Eindruck der Situation der Familie Spiegel bekommt und die Angst der Versteckten im Ansatz nachempfinden kann.

Einfühlsam zeichnet der Regisseur seine Figuren und deren Gefühle. Die Beziehungen der Personen sind ein zentraler Kontenpunkt dieser Geschichte: Das freundschaftliche Verhältnis zwischen den ehemaligen Kumpanen aus dem ersten Wertkrieg, welches Menne das Leben mehrfach rettet oder die zaghafte Annäherung zwischen Anni und ihrer Mutter zu Marga und der kleinen Karin zeichnet der Film einfühlsam nach. "Unter Bauern" hinterlässt viele Eindrücke, die den Zuschauer lange nach Filmende beschäftigen. So waren auch beim Festivalpublikum einige in Gedanken versunkene Gesichter nach Filmende im Kinofoyer zu sehen gewesen.
Der Film erzählt eine berührende und dramatische Begebenheit aus einer schlimmen Zeit der deutschen Geschichte, welche so in der bisherigen filmischen Aufarbeitung dieser Phase bisher nicht zu sehen war. Mit einem bekannten Ensemble umgesetzt, fängt Boekens Werk die Courage der helfenden Menschen ein und verpackt dies alles in ein solides Werk um Menschlichkeit und dem Wert von mutiger Hilfeleistung.
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