Nénette
Story:
Nénette ist eine Orang-Utan-Dame mit dem stolzen Alter von 40 Jahren. Seit 1972 lebt sie im Pariser Zoo und ist damit länger dort als jeder Mitarbeiter.
Unzählige Menschen gehen täglich am Käfig der vierfachen Mutter entlang und kaum ein Besucher hat nichts über die haarige Dame zu sagen.
Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening: "Nénette" sitzt Tag für Tag in ihrem Käfig. Ganz gelassen, zeitweise stoisch inaktiv, harrt sie den Dingen die da kommen. Meistens sind dies Besucher aller Altersklassen, die sich an der großen Panoramascheibe ihres Geheges die Nase platt drücken. Nénette stört sich daran allerdings wenig. Sie hat in ihren 40 Lebensjahren schon einiges mehr mitgemacht, als die paar neugierigen Menschen. Und so scheint es des Öfteren in den 70 Filmminuten, als ob Nénette von alldem genug hat. Regisseur Nicolas Philibert ("Rückkehr in die Normandie - Retour en Normandie") zeigt in seinem Film ausschließlich die Orang-Utan-Lady – mal in detailreichen Nahaufnahmen, mal während sie sich an den aufgebauten Baumstämmen entlang hangelt oder genüsslich einen Joghurtbecher ausschleckt. Die Kameralinse erfasst niemals einen Besucher oder andere Personen. Auf der Tonebene hat Philibert Kommentare und Erzählungen von Menschen arrangiert, die einen Teil ihres (Beruf-)Lebens mit Nénette verbracht haben. Auch Stücke des Originaltons sind zu hören, wobei der Zuschauer schnell die Ohren vor dem lauten Geschrei unruhiger Kinder oder den belehrenden Worten engagierter Eltern verschließt. Spätestens hier kommt Mitgefühl für die gealterte Affendame auf. Gut das wenigstens die Scheibe das Getöse ein wenig abfängt, dem sie täglich ausgesetzt ist.
"Nénette" wirkt zunächst gewöhnungsbedürftig. Die Einstellungen sind immerzu reduziert auf Nénette – dies wirkt in der ersten Filmhälfte sperrig und starr, die Dynamik fehlt im Visuellen. Diese ist immerhin auf der Tonebene zu finden. Die bereits angesprochenen Kommentare holen den Zuschauer nämlich wieder in den Film zurück und lassen eine schrittweise Annäherung zum Tier möglich werden. Die aufgekommene Langeweile wird von den lebendigen Erzählungen weggewischt und schnell wird klar, welch einzigartige Geschichte hier gezeigt wird. Eines der ältesten Tiere seiner Art bewohnt nunmehr seit 38 Jahren einen Zoo und ist damit länger vor Ort als alle Angestellten. Da hat der ein oder andere Pfleger schon eine persönliche Beziehung zum Tier aufbauen können. Von sll jenem berichtet "Nénette". Wer die anfängliche Sperrigkeit überwinden kann und sich vom engen Rahmen der Bilder loslöst, erfährt eine gefühlvolle Geschichte. Vor allem die Nahaufnahmen des Gesichts sind vielsagend. Die tiefen Blicke, mal leer mal aufgeweckt und forsch, verraten so einiges über das Tier und stimmen einige Zuschauer nachdenklich. Wenn einige Monologe die lange Zeit betonen, die Nénette nun schon in Gefangenschaft lebt, kombiniert Philibert diese Audioelemente mit Bildern eines trägen, lustlosen Tiers. Nénette hat sicher nicht jeden Moment ihres Zoo-Lebens genossen und wäre für ein paar Jahre in Freiheit bestimmt dankbar gewesen.
Fazit: "Nénette" zeigt im wahrsten Sinne des Wortes eine besondere Story über die gleichnamige 40-jährige Organg-Utan-Dame, die seit mehr als 35 Jahren im Pariser Zoo lebt und dort vielen Menschen ans Herz gewachsen ist. Da das Gezeigte ausschließlich das Tier fokussiert, finden alleine auf der Tonebene Variationen durch wechselnde Kommentare statt. Neben allerlei unterhaltsamen Geschichten aus den vielen Zoo-Jahren des Tiers gerät man doch ins Grübeln, da leere Blicke und akute Lustlosigkeit das Bild vom glücklichen Käfig-Bewohner einige Male trüben.
|
|
Nénette Nénette  Orang-Utan Dame im Close-Up
Autor der Besprechung: Marcus Offermanns
Filmdaten: Sektion: Forum Produktionsland,-jahr: Frankreich, 2010 Regie:
Nicolas Philibert Darsteller: Nénette |
|
|