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My Name is Khan
Berlinale Festivaltagebuch


My Name is Khan

Story:
Der aus Indien stammende Rizvan Khan (Shah Rukh Khan) ist Autist und lebt als Muslim in den USA. Als er Mandira (Kajol) kennen lernt, verändert dies sein Leben. Er verliebt sich in die hübsche alleinerziehende Mutter eines Sohnes. Beide heiraten, dem endlosen Glück steht scheinbar nichts im Wege. Doch dann geschehen die Anschläge vom 11. September und die in den USA lebenden Muslime werden von ihren Mitmenschen mit Misstrauen und Ablehnung beachtet. Als Mandiras Sohn einer Tragödie zum Opfer fällt, stellt Mandira ihre Ehe zu Rizvan in Frage. Seine Religionszugehörigkeit habe die dramatischen Ereignisse ausgelöst. Fortan verlässt Rizvan seine große Liebe um der ganzen Welt zu zeigen, dass die undifferenzierte Verurteilung aller Muslime falsch ist. Auf seiner Reise durch ein von 9/11 schwer geprägtes Amerika hilft Rizvan allen Menschen wo er nur kann. Sein Ziel hat er fest im Auge: Er will für Verständigung und Toleranz werben und schließlich so den Weg zurück zu seiner geliebten Mandira finden. Seine Taten bleiben nicht unbemerkt und schon bald ist Rizvan in aller Munde.

Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening:
Bollywood auf der Berlinale – geht das? Das wird sich so Mancher gefragt haben, der das Programmheft durchblätterte. Doch spätestens nach der Sichtung von "My Name is Khan" werden alle Zweifel weggewischt sein. Der Film passt vollkommen in den Rahmen der Filmfestspiele und zeigt nahezu ein neues Bollywoodkino. Schnulziger Singsang, Tänzeleien und die inhaltliche Reduzierung auf romantische Schmachtfetzen gehören der Vergangenheit an. Jedenfalls im Schaffen von Regisseur Karan Johar ("In guten wie in schweren Tagen"), der wie kaum ein anderer für den Erfolg von Bollywoodfilmen außerhalb Indiens verantwortlich ist. Nach eigener Aussage interessieren Johar typische Lovestorys, für die das indische Kino bekannt ist, nicht mehr und so sei der Regisseur offen für neue Stoffe. Und so eine neue Idee verfilmt Johar nun mit dem Bollywoodtraumpaar Shah Rukh Khan ("Kabhi alvida naa kehna - Bis dass das Glück uns scheidet) und Kajol ("Indian Love Story - Lebe und denke nicht an morgen") in den Hauptrollen seines Films "My Name is Khan", der außer Konkurrenz (im Bezug zum Wettbewerb um die Bären) im Berlinale Palast zu sehen war.

Nenette

Johar siedelt die Story um den Autisten Rizvan Khan (Shah Rukh Khan) im heutigen, Post-9/11 Amerika an. Doch zunächst ist das nicht klar. Der Film erzählt in verschachtelten Rückblenden wie es zu den Ereignissen kam. Rizvan wird an einem US-Flughafen aufgrund seines muslimischen Namens festgehalten und von den Sicherheitsbeamten überprüft. Als diese von seiner Krankheit Notiz nehmen, belustigt man sich. Denn Rizvan beantwortet die Frage warum er den US-Präsidenten sprechen will mit "Ich will ihm sagen: Ich heiße Khan und ich bin kein Terrorist". Diese Worte haben eine tiefere Bedeutung, die durch nachfolgende Rückblenden klar wird. Wir springen in die Zeit vor den WTC-Anschlägen und sehen wie sich Khan in Mandira (Kajol) verliebt, beide heiraten und mit Mandiras Sohn aus erster Ehe ein glückliches Familienleben führen. 

Nenette

Johar nutzt diese erste Hälfte des Film um von der Liebesbeziehung eines Autisten zu erzählen. Gefühlvoll führt er seine Figur ein, die Shah Rukh Khan grandios verkörpert. Allgemeine Vorwürfe, der indische Sonnyboy verfüge über wenig Talent widerlegt Khan hier eindrucksvoll. Wenn der Film auf seiner Zeitleiste das folgenschwere Datum des 11. September erreicht, erweitert sich der Handlungsrahmen um ein gesellschaftlich-politisches Element. Die bei ihren amerikanischen Nachbarn hochgeschätzte indische Familie muss sich mit Anfeindungen und Abkehr zurechtfinden. In einem Akt brutalster Gewalt nimmt man Mandiras Sohn das Leben. Die bestürzte Mutter schreibt die Schuld Rizvan, beziehungsweise seiner Religionszugehörigkeit zu. Hart getroffen von den Entwicklungen zieht dieser durch die USA um allen zu zeigen, das Muslime nicht mit Terrorismus gleichzusetzen sind. Auf seinen Wegen lernt er neue Leute kennen und erweist sich als hilfsbereit in jeglichen Situationen. Verweise auf die moderne Gesellschaft, den darin tobenden Konflikten und herrschenden Vorurteilen verpackt Johar gekonnt in diesen zweiten Teil des Films. Nachdem Rizvan als Terrorverdächtiger verhaftet wird und ihn die Medien zum Phänomen erklären, nimmt die Geschichte einen enormen Umfang an. Doch Rizvan wird nur vom Wunsch getrieben, seine Botschaft zu verkünden und das Zusammenleben friedlicher zu gestalten. Die Kombination aus Bollywoodfilm, Polit- und Gesellschaftsdrama gelingt Johar gut, die Story deckt umfassend alle Handlungsstränge ab. Die Darsteller überzeugen und so ist "My Name is Khan" ein eindrucksvolles Beispiel des neuen indischen Kinos, welches hier in Berlin seinen passenden Rahmen gefunden hat.

Fazit:
"My Name is Khan" überzeugt durch eine vielschichtige, berührende Story, die nicht in alte Bollywood-Schmachterei verfällt. Das Dreiergespann aus Johar als Regisseur, den überzeugenden Darstellern Shah Rukh Khan und Kajol bringt durch gute persönliche Leistungen einen Film hervor, der die aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten weltweit thematisiert und ein Zeichen setzen will. Hinzu kommt das Element um den Autisten Rizvan, welches absolut glaubwürdig behandelt wird. Johar prägt "New Bollywood"!

Nenette
My Name is Khan
Khan
Marcus Offermanns
Packendes Beipsiel für
"New Bollywood"

Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Sektion:
außer Konkurrenz
Produktionsland,-jahr:
Indien, 2010
Regie:
Karan Johar
Darsteller:
Shah Rukh Khan, Kajol, Christopher B. Duncan, Steffany Huckaby




Special vom: 13.02.2010
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
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