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Sex & Drugs & Rock & Roll
Berlinale Festivaltagebuch


Sex & Drugs & Rock & Roll

Story:
Der britische Punkrock-Sänger Ian Dury (Andy Serkis) prägte die Musikgeschichte der letzten 30 Jahre wie kaum ein anderer: Sein Song "Sex and Drugs and Rock and Roll" wurde zu einem Kultspruch im Universum der Rockmusik. Der einflussreiche Singer/Songwriter war musikalisch wie optisch ein absoluter Trendsetter, feierte mit seiner Band "Blockheads" Riesenerfolge und prägte die Punk und New-Wave-Ästhetik der späten 70er Jahre. Sein Einfluss ist in Songs von Bands wie The Clash, den Pretenders oder Sexpistols gleichsam festzustellen. Neben seiner Leidenschaft für Musik, strebte Dury stetig nach familiärer Geborgenheit. Zwei Dinge, die als Rockstar nur schwer unter einen Hut zu bekommen waren: Heirat, Scheidung, neue Liebe und Trennung waren immer wieder Bestandteil im Leben des Ian Dury.  

Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening:
Mit dem poppigen Biopic "Sex and Drugs and Rock and Roll" liefert Mat Whitecross sein Spielfilmdebüt ab. Der Regisseur hat vorher als Cutter für Michael Winterbottoms "9 Songs" gearbeitet und ebenfalls mit Winterbottom den Dokumentarfilm "The Road to Guantanamo" realisiert, der 2006 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde. Nun also präsentiert er "Gollum"-Andy Serkis als Punkrocker Ian Dury in seinem ersten Spielfilm. Whitecross betont, dass er kein typisches Biopic machen wollte. Dies ist mit ihm "Sex and Drugs and Rock and Roll" durchaus gelungen. Poppig bunt und rockig laut kommt der Film daher. Doch auch das Leben des Ian Dury hinter der Bühne bleibt nicht unerwähnt, sondern nimmt einen großen Teil der Laufzeit ein. Immer getrieben vom Drang nach familiärer Wäre, sucht Musiker Dury oft das richtige Gleichgewicht – findet es aber nur selten. Viele dieser Szenen sind dramatisch und zeigen einen verletzten Menschen, dessen Hoffnungen sich nur selten erfüllen. In seiner Kindheit erkrankte Dury an Polio und entkommt nur knapp dem Tod. Sein Vater (Ray Winstone, "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels") weist ihn seither immerzu an, trotz der durch die Krankheit verursachten Gehbehinderung, über die eigenen Schatten zu springen. Allerdings wächst Dury in einem Heim auf, wo er den Qualen seines Lehrers schutzlos ausgesetzt ist. So erklärt sich der Wille nach einer eigenen, "warmen" Familie. Doch dagegen steht immer das unbeständige, chaotische Punkrocker-Dasein, welches nur selten mit dem angestrebten Familienleben vereinbar ist.

Nenette

Während seine Frau Betty (Olivia Williams, "Der Ghostwriter") den gemeinsamen Sohn Baxter (Bill Milner, "Der Sohn von Rambow") im heimischen Schlafzimmer auf die Welt bringt, probt Ian mit seiner Band im Wohnzimmer. Die Ehe geht irgendwann zu Bruch, woraufhin Ian sich in die bodenständige Denise (Naomie Harris, "Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt") verliebt. Zusammen mit ihr und Baxter erlebt der Exzentriker eine gute Zeit, doch auch diese Beziehung hält nicht ewig. Mat Whitecross zeigt diese andauernde Unbeständigkeit in Durys Leben ausgiebig und untermauert dessen Charakter mit Rückblicken in die prägende Kindheit. Serkis spielt Dury umwerfend gut – die Songs singt er alle selbst. Eine bravuröse Leistung. Formal ist der Film zudem sehr unkonventionell. Dynamische Schnitte, punkige Liveaufnahmen und poppig bunte Bilder verleihen dem Film eine ganz besondere Optik. Dennoch handelt es sich bei "Sex and Drugs and Rock and Roll" nicht um einen Party-Film, denn die Sequenzen in denen die Familie zerbricht oder Dury im Kindesalter den erzieherischen Eskapaden des Lehrers ausgesetzt ist, nehmen jede gute Laune. Nach dem Film herrscht der Zwiespalt aus dem Leben des Ian Dury auch in den Köpfen der Zuschauer: Der erfolgreiche Musiker steht dem in einigen Belangen gescheitertem Familienmenschen gegenüber. Der Spaß am rockig poppigen Film mit tollen Musikeinlagen sowie einem Serkis in Höchstform steht dem Entsetzten der Verfehlung der familiären Ziele und der kindlichen Qualen gegenüber.

Fazit:
"Sex and Drugs and Rock and Roll" ist ein untypisches Biopic über den britischen Musiker Ian Dury. Andy Serkis spielt die Hauptrolle hervorragend und singt in bester Manier – eine beeindruckende Höchstleistung. Dennoch ist "Sex and Drugs and Rock and Roll" kein Partyfilm, da immer auch die persönlichen Verfehlungen und Niederlagen (selbst verschuldet sowie unverschuldet) des Punkrockers aufgezeigt werden. Generell sehenswert, auch wegen der stimmungsvollen Inszenierung der Konzertausschnitte und des poppigen Looks.

Serkis
Sex & Drugs & Rock & Roll
Sex & Drugs & Rock & Roll
Marcus Offermanns
Ungewöhnliches Biopic mit einem Andy Serkis in Höchstform
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Sektion:
Panorama
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2010
Regie:
Mat Whitecross
Darsteller:
Andy Serkis, Ray Winstone, Olivia Williams, Bill Milner, Naomie Harris




Special vom: 14.02.2010
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
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