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Greenberg
Berlinale Festivaltagebuch


Greenberg

Story:
Florence Marr (Greta Gerwig) arbeitet als Haushaltshilfe für Phillip Greenberg und seine Frau, ein reiches Ehepaar mit Kindern, Hund und Haus in den Hollywood Hills. Einziger Tagesinhalt der ehrgeizigen Sängerin ist das Erfüllen der Wünsche anderer Leute. Die klaffende Lücke zwischen ihren eigenen Lebenserwartungen und der grauen Realität wächst immer weiter an. Als die Greenbergs verreisen, bricht ihr strikter, gewohnter Tagesablauf auf. Während der Abwesenheit der Familie wohnt Phillips Bruder Roger (Ben Stiller) in der Luxus-Villa. Gerade aus einer Nervenklinik entlassen, versucht der 40jährige seine Zwangsstörungen in den Griff zu bekommen. Als Florence und Roger aufeinander treffen, scheint es wie eine Zusammenkunft zweier verlorener Seelen. Beide stehen gewissermaßen an einem Wendepunkt im Leben und spüren eine bedeutsame Verbindung, die beiden über ihre Orientierungslosigkeit hinweghelfen könnte.

Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening:
In "Greenberg" zeigt Regisseur und Drehbuchautor Noah Baumbach ("Fantastic Mr. Fox") die Zusammenkunft zweier Menschen, deren Leben von enormer Orientierungslosigkeit und verpassten Chancen geprägt ist. Weder die ehrgeizige Sängerin Florence (Greta Gerwig, "Art House"), noch der ehemalige Musiker Roger und jetzige Schreiner Roger (Ben Stiller, "Nachts im Museum") können auf eine reichhaltige Liste erreichter Ziele herab schauen. Während Florence ihre Zeit als Haushaltshilfe der Greenbergs verbringt und damit eher dem strebsamen Leben anderer zusieht, ist der Zwangsneurotiker Roger in L.A. gestrandet und will erstmal "nichts machen". Konventionelle Filme machen aus dieser Konstellation nicht selten eine romantische Komödie, in der sich die beiden Figuren verlieben und durch eine tolle Schicksalswendung die strahlende Chance für eine bessere Zukunft auftut. Doch ein solcher Film wäre auf der Berlinale falsch platziert und so folgt "Greenberg" eben nicht dieser Weichspülerformel.

Nenette

Vielmehr seziert der Filme genau die Persönlichkeit seiner Figuren, erklärt woher sie kommen und welches ihre Probleme sind. Das sich die Protagonisten sympathisch sind und in gewisser Weise näher kommen, ändert nichts an der Grundausrichtung des Films. Hier geht es um zwei Menschen die mehr damit zu tun haben anderen beim leben zuzusehen und die Gründe für ihr "auf der Stelle Treten" in der Vergangenheit suchen, als selbst aktiv zu werden und das Glück in die eigenen Hänge zu nehmen. So kann Roger das Handeln seines Collegefreundes Ivan (Rhys Ifans, "Notting Hill") nicht verstehen, der nach kurzer Auszeit zu Frau und Kind zurückkehrt und die Familie einem Einzeldasein vorzieht. Auch ein Date mit seiner Ex-Freundin aus Jugendtagen (Autorin und Produzentin des Films Jennifer Jason Leigh, "eXistenZ") verläuft nicht wie gewollt. Roger begreift nur schwerlich, dass die Leben der Anderen fortgeschritten sind und seins von Stagnation geprägt ist.

Nenette

Während des Voranschreitens der Story kommt es zu allerlei unterhaltsamen Zwischenfällen. Im Fokus stehen jedoch immer Florence und Roger, sowie deren mal schlechter und mal besser laufendes Zusammensein. An einigen Stellen wirkt der Film leider etwas langatmig, da er ultragenau versucht, seine Figuren zu charakterisieren. Dies nimmt viel Zeit in Anspruch und das Hin und Her zwischen den Beiden ist oftmals sehr anstrengend. Dennoch ist "Greenberg" ein sehenswerter Film im Wettbewerb der Berlinale, da die tiefgründigen Hauptcharaktere durchaus interessant sind und deren Ringen um eine erfülltere (eventuell sogar gemeinsame) Zukunft nachvollziehbar und ansprechend umgesetzt ist.

Fazit
"Greenberg" ist als Mix aus Komödie und Drama an vielen Stellen tiefgründig und gleichzeitig unterhaltsam. Die Abschnitte, denen zu wenig Bewegung angekreidet werden können, halten sich in Grenzen. Zumeist entwickelt sich der Plot, der vom Hadern der Figuren mit ihrem selbst verschuldeten Schicksal erzählt. Dies gelingt oftmals unterhaltsam und gibt gleichzeitig wichtige Denkanstöße. "Greenberg" ist ein ruhiger, leider punktuell etwas sperriger Film im Wettbewerb der Berlinale 2010.

Greenberg
Greenberg
Greenberg
Marcus Offermanns
Aufeinandertreffen zweier "lost souls"
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Sektion:
Wettbewerb
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010
Regie:
Noah Baumbach
Darsteller:
Greta Gerwig, Ben Stiller, Rhys Ifans, Jennifer Jason Leigh




Special vom: 14.02.2010
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
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