Submarino
Story: "Submarino" erzählt von den Nachwirkungen eines Schicksalsschlags, die zwei Brüder bis ins Erwachsenenalter nicht verlassen.
Nick (Jakob Cedergren) und sein Bruder (Peter Plaugborg) kommen nicht über den Tod ihres kleinen Bruders hinweg, der sich ereignete, als sie als Kinder von ihrer trinkenden Mutter alleine gelassen werden. Als Erwachsene haben sich beide innerlich wie äußerlich voneinander entfernt. Während Nick durch Alkohol und kraftraubendes Gewichtestemmen die traumatischen Erinnerungen verdrängen will, ist sein Bruder zum Junkie geworden. Dieser ist alleinerziehender Vater seines Sohnes Martin (Gustav Fischer Kjærulff) und taumelt dennoch immer tiefer in den Drogensumpf. Als er beim Dealen erwischt wird, treffen sich die Brüder im Knast und erleben erst hier einen guten Moment der persönlichen Nähe. Eine alles entscheidende Frage bleibt zu beantworten: Können die Brüder nun das gemeinsame Trauma überwinden und ein lebenswertes Leben führen? Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening: Der Däne Thomas Vinterberg beschäftigt sich in seinem bewegenden Film "Submarino" mit der Bedeutung der elterlichen Verantwortung, Traumabewältigung, ungerechtfertigten Schuldgefühlen und der konstanten Versagensangst einer Hauptfigur im Bezug auf den eigenen Sohn. Damit ist eins klar: "Submarino" wird eine Herausforderung für den Zuschauer. Der Regisseur zeigt fragile Charaktere, deren traumatische Kindheit für viele ungelöste Probleme im Erwachsenenalter sorgt. Nick (Jakob Cedergren, "Arn: The Kingdom at Road's End") ist nicht in der Lage, Nähe zu anderen Menschen aufzubauen. Zu seiner Nachbarin Sofie (Patricia Schumann, "Insel der verlorenen Seelen") kann er lediglich lose sexuelle Kontakte unterhalten, die aber nie den Sprung in eine gefühlsbasierte Zweisamkeit schaffen. Sein Bruder (Peter Plaugborg, "Tage des Zorns"), der nie benannt wird, sucht die Linderung seiner Qualen im Drogenmissbrauch. Als Vater des kleinen Martin (Gustav Fischer Kjærulff, "Familien Rheinwald") raubt ihm zudem die Sorge den Schlaf, seinem Sohn keine bessere Kindheit als die eigene bieten zu können. Beide Männer haben an den Nachwirkungen des Todes ihres Bruder zu leiden, welchen nicht sie, sondern die trinkende Mutter zu verantworten hat. Der Kleine starb noch als Baby. Dennoch fühlt sich Nick schuldig und so driftet er immer weiter in einen Bereich, der schon fast nicht mehr lebenswert genannt werden kann.

Frust, Trauer, Überwindung der Traumata – diese Themen führen zu einem schweren Film, der die Zuschauer zum Teil bis an die Grenze des Erträglichen fordert. Die auch im Erwachsenenalter nicht abreißende Aufeinanderfolge immer neuer Tragödien nagt am Publikum wie den Filmfiguren gleichermaßen. Am Ende kommt es zu einem Klimax, der den Zuschauer wenigstens mit der Aussicht auf eine versöhnliche Zukunft aus dem Kino entlässt. Dennoch wäre die Bezeichnung "Happy End" absolut fehl am Platze. Trotz dieser eher düsteren Handlungsstränge erzählt Vinterberg eine sehr interessante Geschichte, der der Zuschauer laufend folgt. Dabei kommt dem Film das durchdachte Konzept zu gute. "Submarino" ist in drei Teile unterteilt. Die ersten zwei zeigen Nick und seinen Bruder, wie sie als Erwachsene ihr Leben gestalten. Teil drei führt diese Einzelstränge schließlich zusammen und schafft ein einigermaßen versöhnliches Ende für die gebeutelten Brüder.

Zu Beginn und am Ende installiert Vinterberg einen thematischen Rahmen, der ein wunderbares Detail in sich birgt. Formal beeindruckt dieser Film in jeder Hinsicht, der Zuschauer muss nur einen Weg finden, sich mit der quälenden Sperrigkeit auseinander zusetzen. "Submarino" ist ein schwerer Film, der anstrengt, der aber dennoch sehr sehenswert ist. Die Berlinale erweist sich glücklicherweise als mutig genug, Vinterbergs Film im Wettbewerb zu platzieren. Die Zuschauer jedenfalls haben diese Entscheidung durch bestätigenden Applaus honoriert. Fazit "Submarino" von Thomas Vinterberg behandelt einige sehr schwierige Themen und überzeugt vor allem formal durch eine zeitlich versetzte Erzählung, die erst zum Schluss durch die Kombination der Fragmente ihre gesamte Wirkung entfaltet. Die Bereitschaft des Zuschauers, sich mit den anstrengenden Plot auseinander zu setzten, wird mit einem einigermaßen versöhnlichen Ende belohnt. Gute Darstellerleistungen, eine solide Regie und die zutiefst dramatische Story, deren Figuren eine tiefgreifende Entwicklung durchmachen, könnten ausschlaggebend für eine Auszeichnung durch die Wettbewerbsjury sein.
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 Submarino Submarino  Geschickt erzähltes, hartes aber vielschichtiges Drama
Autor der Besprechung: Marcus Offermanns
Filmdaten: Sektion:
Wettbewerb Produktionsland,-jahr: Dänemark, 2010 Regie:
Thomas Vinterberg Darsteller:
Jakob Cedergren, Peter Plaugborg, Gustav Fischer Kjærulff, Patricia Schumann |
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