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Zeit des Zorns
Berlinale Festivaltagebuch


Zeit des Zorns

Story:
Ali Alavi (Rafi Pitts) lebt mit seiner Frau und der gemeinsamen siebenjährigen Tochter in der iranische Metropole Theran. Dem hektischen Stadtleben entflieht Ali so oft er kann und fährt in die nahe gelegenen Wälder, genießt Natur und Ruhe. Hier kann er abschalten und seinem Hobby, dem Jagen, nachkommen. Eines Tages findet er nach der Rückkehr von einem dieser Jagdausflüge seine Wohnung einsam und verlasen vor, Nachforschungen führen ins Leere. Dann ein Anruft und die Polizei lädt ihn aufs Revier. Stundenlanges warten und ein indiskretes Verhör stehenden dem besorgten Ehemann bevor. Schließlich erfährt er den Grund für die Vorladung: Seine Frau wurde während einer oppositionellen Demonstration erschossen. Wie es der Tochter entgangen ist, weiß niemand. Erst Tage später muss er auch ihre Leiche identifizieren. Seine Familie ist zerstört, doch der ermittelnde Inspektor ist nicht bereit Bemühungen einzuleiten, die das schreckliche Verbrechen aufklären könnten. Voller Trauer, Unverständnis und erzürnt über das Fehlverhalten der Polizei übt Ali persönliche Rache: Mit seinem Jagdgewehr bewaffnet, vollzieht Ali Selbstjustiz.

Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening:
Mit "Zeit des Zorns" liefert der Iraner Rafi Pitts ("Zemestan") seinen jüngsten Film ab. Dabei ist der 1967 geborene Pitts - der als einer der prominentesten Vertreter des neorealistischen iranischen Kinos gilt - neben seiner Aufgabe als Regisseur und Hauptdarsteller gleichzeitig Autor dieses radikalen und aufwühlenden Films. Für "Zeit des Zorns" sucht sich der mittlerweile wieder in Teheran lebende Filmemacher, der die letzten 30 Jahre in Europa lebte, ein Setting aus, welches aktueller nicht sein könnte: Die regimekritischen Demonstrationen sind hier der Auslöser für eine Kettenreaktion extremster Ereignisse. Nach eigener Aussage fühlt sich Pitts dem Iran und seinen Menschen verpflichtet und bemüht sich um ein klischeefreies Bild der iranischen Gegenwart. Implizite Kritik ist immer ein wichtiges Element in seinen Werken und so zeigt "Zeit des Zorns" einen verzweifelten Mann, dem die Familie durch willkürliche Gewalt genommen wird.

Nenette

"Zeit des Zorns" kommt über lange Strecken mit sehr wenig Dialogpassagen aus und erhält seine Kraft zum größten Teil durch die Bilder. Durch den Verlust seiner Familie an die Grenze des Erträglichen gebracht, nimmt Ali (Pitts) Rache. Ohne zu verschleiern zeigt der Regisseur die verheerenden Aktionen des Familienvaters und vermittelt so die innere Gefühlswelt seiner Hauptfigur. Mit seiner Offensive macht sich Ali zum Ziel der Gesetzeshüter und begibt sich so bewusst in Lebensgefahr.

Nenette

Das nachfolgende Katz und Maus-Spiel mit der Polizei, welches nach einer rasanten Verfolgungsjagd in Alis Wäldern endet, zeigt umso mehr die Entschlossenheit seines Vorgehens. So eindringlich der Film auch ist, zu kritisieren bleibt die etwas holprige Erzählweise. An den Schlüsselmomenten werden Details nicht eindeutig aufgezeigt, welches zu unnötiger Verwirrung führt. Die Motive der agierenden Figuren sind auch nach Ende des Film nicht ganz eindeutig, sodass einige (Verständnis-)Fragen offen bleiben. Die Message des Films ist eindeutig und verständlich. Die angesprochene Kritik bezieht sich auf den Bereich der Montage und der Erzählweise.

Fazit
"Zeit des Zorns" ist das ergreifende Drama eines Exil-Iraners, der die politische Situation seines Heimatlandes analysiert und dabei die tragische Geschichte eines Mannes zeigt, dem Frau und Kind genommen werden. Der Film ist radikal und verstörend, gleichzeitig versetzt er sein Publikum unter Anspannung. Die Defizite in Montage und Erzählfluss trüben das Bild ein wenig, können aber den Eindruck eines starken Wettbewerbsfilms mit kritischem Gesellschaftsbezug nicht trüben.

Nick
Zeit des Zorns
Shekarchi
Marcus Offermanns
Unkonventionelles Rache-Drama
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Sektion:
Wettbewerb
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, Iran, 2010
Regie:
Rafi Pitts
Darsteller:
Rafi Pitts, Mitra Hajjar, Ali Nicksaulat, Hassan Ghalenoi




Special vom: 18.02.2010
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
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