Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
Inspector Barnaby - Volume 14Kesslers Knigge - Die komplette SerieRoller Girl

In der Datenbank befinden sich derzeit 85 Specials. Alle Specials anzeigen...

Kosmos
Berlinale Festivaltagebuch


Kosmos

Story:
Kosmos (Sermet Yesil) kann gerade eben einen kleinen Jungen vor dem Ertrinken retten, als er zu Fuss ein kleines Dorf erreicht. Danach wird der komische Kautz von den Dorfbewohnern mit offenen Armen empfangen. Neptün (Türkü Turan), die ältere Schwester des Jungen, wird seine Vertraute und auch sonst will jeder im Dorf erfahren, was es mit Kosmos auf sich hat. Das Besondere an dem Fremden: Kosmos erweist sich als Wunderheiler und lindert die gesundheitlichen Beschwerden vieler Dorfbewohner. Doch seit seinem Auftauchen passieren immer wieder Einbrüche und so wird der zunächst gern gesehene Gast bald mit Argwohn betrachtet. Nachdem sich der Gesundheitszustand eines seiner "Patienten" rapide verschlechtert, wird Kosmos vom wütenden Dorfvolk und stechenden Selbstzweifeln gequält. Alles fragt sich, ob seine Wunder tatsächlich Wirklichkeit sind oder mit Kosmos ein Betrüger vor ihnen steht.

Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening:
Wenn man die Filmbeschreibung im Programmheft aufschlägt, setzt sich schnell der Eindruck fest, bei "Kosmos" handele es sich um die Geschichte des Wunderheilers Kosmos (Sermet Yesil, "In Nowhere Land"), die den ein oder anderen Fantasyeinfluss mitbekommen hat. Doch nachdem das Licht abgedunkelt, der Berlinale-Trailer durchgelaufen ist und die ersten Bilder über die Leinwand flackern, geht das große Staunen los. Eine karge Landschaft, öde schneebedeckte Berghänge bestimmen das Bild. Ein grau verhangener Himmel, der ein paar Schneeflocken zu Boden rieseln lässt, zeugt von ungemütlicher Kälte. Plötzlich stapft ein Mann durch den Schnee, gibt kreischendes Geheul von sich und stolpert einen Abhang herunter, genau auf die keine kleine Stadt zu, in der er die nächsten Tage verbringen soll. Vor ihm fließt ein reißender Fluss. Sein Blick wandert ans andere Ufer, wo eine junge Frau panisch entlang der Strömung läuft. Dann erkennt Kosmos die Situation: Mitten in der Strömung treibt ein kleiner Junge, leblos wird der Körper in den Wogen hin und her geschleudert. Kosmos zögert nicht, stürzt sich in die Fluten und greift nach dem Jungen. Als der Mann den zerbrechlichen Körper am Ufer der Frau übergibt, ist wie durch ein Wunder das Leben in den Kleinen zurückgekehrt.

Nenette

Diese Heldentat lässt das gesamte Dorfvolk Interesse am Fremdling gewinnen und öffnet Kosmos alle Türen. Mit seinen Wunderheilungen gelangt er an fast grenzenlose Beliebtheit. Als er jedoch auf die Frage nach seinen Vorhaben antwortet, die Liebe zu finden und dabei die Tochter eines Dorfbewohners anfunkelt, schlägt die Gastfreundschaft langsam um. Als nun auch noch ständig Nachrichten neuer Einbrüche die Runde machen und die Ersten der Meinung sind, das mysteriöse Erscheinen des Fremden war dessen Auslöser, schlägt die Stimmung gänzlich um. Einzig Neptün (Türkü Turan, "Annem"), die mit Kosmos auf einer Wellenlänge ist, sieht das Gut in ihm. Was folgt sind 122 Minuten voller Ungewissheit und religiöser Symbolik. Wer ist Kosmos und was will er bewirken. Sind die Heilungen wirklich als Wunder anzusehen oder handelt es sich um großen Schwindel. Zudem steht die Frage im Raum, was es mit den Einbrüchen auf sich hat. Regisseur Reha Erdem ("My Only Sunshine") lässt diese Dinge in einem klugen Zug unklar und hält so das Interesse am Film dauerhaft hoch. Obwohl in seinem Werk einige Längen und Wiederholungen kritisch anzumerken sind, die durchaus etwas kürzer ausfallen könnten, rätselt und interpretiert das Publikum fleißig mit. "Kosmos" ist arm an Dialogen und so lastet viel auf den guten Darstellern. Die türkisch-bulgarische Produktion läuft im Panorama Spezial und fügt sich ohne Zweifel in die Riege der Mitbewerber ein: Zum Teil sperrige, vielschichtige Erzählungen, die gepaart mit einer unkonventioneller Bildsprache sowie außergewöhnlichen Inhalten aufwarten und so das Festival-Feeling aufkommen lassen.

Fazit
"Kosmos" schafft es über die gesamte Filmlänge, seine Fragen offen zu lassen und so arbeitet der Zuschauer immerzu gedanklich mit. Die mystisch-religiös angehauchte Story um den Fremden Kosmos, der als Wunderheiler gute Taten vollbringt, aber mit seinem Erscheinen auch negative Ereignisse im Dorf zunehmen, ist als Herzstück das tragende Element. Die filmische Umsetzung ist zum Teil anstrengend und durchaus schwer zugänglich. Statische Bilder und der schier kriechende Handlungsfortschritt erfordern ein wenig Durchhaltevermögen. Sind diese Längen einmal überwunden, stellt sich die anspruchsvolle Aufgabe, der richtigen Interpretation. Ein religiös-theologischer Background erleichtert dabei sicher die Rezeption und damit letztendlich das Verständnis.

Nick
Kosmos
Kosmos
Marcus Offermanns
Mit religiösen Motiven gespickter Bildreign
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Sektion:
Panorama Special
Produktionsland,-jahr:
Türkei/Bulgarien, 2009
Regie:
Reha Erdem
Darsteller:
Sermet Yesil, Türkü Turan




Special vom: 22.02.2010
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
Weitere Seiten innerhalb dieses Specials können über das seitliche Menü links oben aufgerufen werden.
Zurück zur Hauptseite des Specials