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Besouro
Berlinale Festivaltagebuch


Besouro

Story:
Brasilien in den 1920 Jahren – Die farbige Bevölkerung hat trotz dem Ende der Sklavenzeit die strukturelle Sklaverei nicht überwunden. Die Weißen betrachten sie mit Argwohn und beanspruchen brutalst eine Vormachtstellung für sich. Der offen zum Vorschein kommende Rassismus zeigt sich im Verbot brasilianischer Kultur und der althergebrachten (Kampf-)Sportart Capoeira. Besouro (Aílton Carmo), früh zum Waisen geworden, wächst unter der Obhut von Capoeira-Meister Mestre Alípio auf und lernt so die wesentlichen Tugenden des Tanzes: Konzentrationsfähigkeit, Gerechtigkeitssinn und das Streben nach Unabhängigkeit. Der talentierte Besouro ist im Erwachsenenalter zum starken Capoeira-Tänzer/Kämpfer gereift. Als Weiße seinen Meister ermorden, beginnt Besouro den aufopferungsvollen Kampf gegen Überheblichkeit und Versklavung. Zusammen mit der Jugendliebe Dinorá (Jéssica Barbosa) will Besouro ein Zeichen setzen und leistet Gegenwehr.

Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening:
Als "Besouro" im Rahmen der Festival-Sektion Panorama gezeigt wurde, erlebten die Anwesenden einen ganz besonderen Beitrag. Regisseur João Daniel Tikhomiroff gelingt der Spagat zwischen krachender Martial-Arts Sause und ausgewogener inhaltlicher Fülle beispielhaft. Die perfekt choreographierten Kampfszenen könnten einem asiatischen Prügelfilm entstammen. Selbst das Umherfliegen der Kämpfer, bestens bekannt aus dem asiatischen Kino a la "Tiger & Dragon", übernimmt Tikhomiroff in seine Geschichte. Das Gute dabei: Es wirkt nicht geklaut oder übernommen, sondern in Kombination mit den beeindruckenden Capoeira-Tanz bzw. Kampfmoves resultiert etwas Neuartiges: Der Capoeira-Martial-Arts Film.

Nenette

Und dennoch ergibt sich "Besouro" nicht in dieser optischen Fülle. Neben den höchst unterhaltsamen Kampfsequenzen, hat der Panorama-Film noch mehr zu bieten: Inhaltlich beschäftigt sich der in kurz nach Abschaffung der Sklaverei spielende Streifen mit durchaus ernsten Themen, deren politisch-gesellschaftliche Relevanz dem Film eine Bedeutungsebene zuführt, über die nur wenige Martial-Arts-Epen verfügen. Besouro (Aílton Carmo) setzt alles daran, die Stellung der farbigen Bevölkerung zu verbessern. Sein Kampf ist auch immer der Versuch der Befreiung von Unterjochung und Unrecht. Der Regisseur beweist stets sein gefühlvolles Händchen durch diese Ausgewogenheit. So ist auch die Aufnahme ins Berlinale-Programm zu erklären und löblich zu erwähnen. Eine weitere Überraschung war die Live-Performance von Hauptdarsteller Aílton Carmo, der vor der Leinwand des Cubix-Kinos am Alexanderplatz eine artistische Capoeira-Einlage zum Besten gab. Unter dem begeisterten Beifall des Publikums zeigte er halsbrecherische Aktionen aus dem Film. Seine anwesende Filmpartnerin Jessica Barbosa und Regisseur Tikhomiroff animierten den athletischen Mimen, dessen Aktionen das Publikum frenetisch feierte. Tikhomiroff drückte zudem seine Freude über das Berlinale-Screening seines Films sowie die äußerst positiven Reaktionen aus, nachdem er hofft, "Bresouro" auch außerhalb des südamerikanischen Kontinents vermarkten zu können. Da der Film zu den Highlights des diesjährigen Panorama-Programms gehört, ist zu wünschen, dass Tikhomiroff sein Ziel erreicht.

Fazit
"Besouro" beeindruckt als gelungene Mischung aus optischen und inhaltlichen Elementen. Tikhomiroffs Film stellt verschiedenste Capoeira-Techniken und gesellschaftliche Zustände vor und schafft es, ein wichtiges Gleichgewicht zu wahren. Nicht zuletzt die guten Leistungen des Darsteller-Ensembles, welches aus professionellen Schauspielern und Laiendarstellern, die üblicherweise als Capoeira-Tänzer arbeiten besteht, sorgen für die positive Wahrnehmung.

Nick
Besouro
Besouro
Marcus Offermanns
Toller Mix aus Martial Arts und Anspruchkino
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:
Sektion:
Panorama
Produktionsland,-jahr:
Brasilien, 2009
Regie:
João Daniel Tikhomiroff
Darsteller:
Aílton Carmo, Jessica Barbosa, Anderson Santos de Jesus, Flávio Rocha, Irandhir Santos




Special vom: 22.02.2010
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
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