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Tokyo Fist
rapid eye movies - Intro edition asien


Tokyo Fist

Story:
Der gestandene Versicherungsangestellte Tsuda Yoshiharu (Shinya Tsukamoto) ist mit seiner Lebensgefährtin Hizuru (Kaori Fujii) glücklich liiert. Bald soll geheiratet werden. Nachdem ihm jedoch der alte Schulfreund Kojima Takuji (Kôji Tsukamoto) über den Weg gelaufen ist, gerät sein Leben völlig ausser Kontrolle. Durch ein traumatisches Ereignis in den Jugendjahren brach die Freundschaft auseinander, nun will Takuji ihre Risse kitten. Der erneute Kontakt hat fatale Folgen: Hizuru verlässt Tsuda für Takuji. Ausser sich vor Zorn und Enttäuschung, erlernt Tsuda den Boxsport. Auch Takuji ist als Boxer erfolgreich und so begibt sich Tsuda auf fremdes Terrain um endlich alle offenen Rechnungen zu begleichen...

Meinung und Hintergründe zum Film:
Regisseur Shinya Tsukamoto hat bereits mit seinen früheren Arbeiten wie beispielsweise dem hyper-experimentellen "Haze" seine Vorliebe für unkonventionelles Filmemachen bewiesen. "Tokyo Fist" aus dem Jahr 1995 ist da nicht anders und fällt vor allem durch den Einsatz einer hyper-beweglichen Kamera auf. Diese ist immer nah an den Figuren, äußerst dynamisch und nur selten ruhig. Während der Boxkämpfe wird oftmals suggeriert, der Zuschauer würde als Gegner des Fighters im Ring stehen, in dem viele Perspektiven als Point-of-View-Einstellungen arrangiert werden. Mal dreschen wütende Fäuste auf die Kamera ein, im nächsten Moment holt sie selber in Richtung des Gegners aus. Doch auch abseits des Boxrings steht sie nur selten still. Hektisch schwenkt sie zu allen Seiten und fängt verwackelte Impressionen der urbanen Umgebung ein, in der die Geschichte abläuft. Diese Unruhe ist zunächst einmal schwer zu ertragen und macht die Sichtung stellenweise zur nervenaufreibenden Herausforderung. Andererseits funktioniert diese Technik besonders gut um nah an den Charakteren zu sein. Dies muss nicht immer im Boxring stattfinden, wie bereits erwähnt. Vor allem bei den Negativ-Emotionen der Hauptfigur Tsuda Yoshiharu (Shinya Tsukamoto, "Nightmare Detective") drücken sich im Visuellen aus: Die Eruption der inneren Gefühlswelt findet aktiv auf der Leinwand statt.

Derartige Szenen sind bei "Tokyo Fist" oft zu sehen, geht es doch in der Hauptsache um ein Beziehungsdreieck aus Tsuda, seiner Freundin Hizuru (Kaori Fujii, "Ju-on") und dem alten Schuldfreund Kojima Takuji (Kôji Tsukamoto, "Ikigami"). Letzterer platzt in das Durchschnittsleben des Pärchens mit dem Gedanken die beendete Freundschaft aufzufrischen. Bald schon verliert er jedoch die guten Vorsätze aus den Augen und findet sich mit Hizuru in seiner Wohnung wieder. Die Beziehung von Hizuru und Tsuda ist am Ende. Nach dem Schlussstrich wächst in Tsuda ungefiltertes Aggressionspotential. Der schüchterne, ruhige Mann findet im Boxsport ein Ventil und bald steht er Takuji gegenüber. Alles was zischen beiden steht, kanalisiert Tsuda in seine Fäuste und beginnt die offene Rechnung zu begleichen. Nimmt man sich die blosse Storyline des Films vor, könnte der Eindruck entstehen, es handle sich bei "Tokyo Fist" um einen Prügelfilm der Marke "Duell um eine Frau". Tsukamoto hingegen tickt anders und konzentriert sich vorwiegend auf die Charaktere, denn jeder der drei legt ein Verhaltensmuster an den Tag, was zutiefst individuell gestaltet ist. Die Charaktere haben eine Geschichte, ein weit zurückliegendes Ereignis sorgte für den Split der Männerfreundschaft. Doch auch Hizuru bleibt nicht flach. Als die Geschichte ins Rollen kommt, beginnt sie durch Piercings und Tattoos eine Transformation. Die ehemals brav anmutende Frau trägt nun extremen Körperschmuck. Ein Spiegel des Inneren nach außen, denn in der Dynamik dieser Dreierkonstellation ist sie bald nicht mehr die treibende Kraft für die Vehemenz der Auseinandersetzung. Die Vergangenheit holt die Männer wieder ein und bald kocht die Aggressivität über.

"Tokyo Fist" ist brutal, blutig und auf keinen Fall geeignet für schwache Gemüter. Sowohl die Boxaction als auch die Dreierkiste sind extrem visualisiert. Der Regisseur bleibt seinem Stil treu, bizarre Bilder für die Geschichten zu finden. So symbolisiert ein von Würmern zerfressener Tierkadaver das seelische Befinden Tsudas. Doch vor allem die brachiale Brutalität der Ringkämpfe verengt die Kehle des Zuschauers. Selten hat man im Kino derart verbissene Faustkämpfe miterlebt. Dies alles geschieht jedoch nicht ohne erzählerische Grundlage und so muss man "Tokyo Fist" zugestehen, einem funktionierenden Konzept zu folgen. Leider ist der Film an vielen Stellen zu wirr, die Figuren zu verdreht. Darüber hinaus übertreibt der Regisseur seinen Hang zu bewegten Bildern. Oftmals ist das Ansehen eine anstrengende Herausforderung für die Augen und so mag "Tokyo Fist" als ganz besonderer Film zwischen den Extremen "gut" und "schlecht" liegen, ganz dem individuellen Empfinden des Zuschauers entsprechend.

DVD Aufarbeitung:
Die digitale Aufarbeitung für diese DVD-Umsetzung ist durchaus gelungen. Obwohl das Filmmaterial aus dem Jahr 1995 stammt, ist sowohl die Schärfte als auch der Kontrast in Ordnung. An manchen Stellen ist etwas Bildrauschen negativ zu vermerken. Ausserdem erscheint das Bild teilweise matt und überbelichtet. Unterm Strich ist der Eindruck jedoch gut. Die deutsche Synchronisation ist gelungen, da die Dialoge jederzeit verständlich sind und Soundeffekte, beispielsweise bei den Boxkämpfen, fulminant wirken. Leider liegt nur die deutsche Tonspur im 5.1 Format vor, während das japanische Original mit Stereoton auskommen muss. Deutsche Untertitel können wahlweise eingeblendet werden.

Als Bonus bringt "Tokyo Fist" den Trailer und ein Musikvideo mit. Besser als nichts, dennoch hat man schon mehr in dieser Sektion zu sehen bekommen.  

Fazit:
"Tokyo Fist" ist als Mischung aus Drama und Boxfilm erstaunlich vielseitig und bietet eine tiefgründige Story, die von starken Figuren getragen wird. Visuell geht Regisseur Tsukamoto wie immer ungewöhnliche Wege, was stellenweise sehr anstrengend wird aber als Alleinstellungsmerkmal funktioniert und den Film von der Masse abhebt. Die DVD-Aufarbeitung ist gut, mehr nicht – mehr Extras hätten nicht geschadet.

Daten zur DVD:

FSK-Freigabe:
Bildformat:
Laufzeit:
1,85:1
1,85:1
87:41 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch:
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Japanisch:
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 2.0

Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Musikvideo

edition asien
Tokyo Fist
Tokyo-ken

Marcus Offermanns
Drei ist einer zuviel - Hektisches Beziehungsdreieck mit Boxfilmelementen


Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:

Produktionsland,-jahr:
Japan, 1995
Regie:
Shinya Tsukamoto
Drehbuch:
Shinya Tsukamoto
Darsteller:
Kaori Fujii, Shinya Tsukamoto, Kôji Tsukamoto, Naomasa Musaka, Naoto Takenaka

Label Deutschland :
rapid eye movies
Vertrieb Deutschland :
AL!VE AG

DVD-Verkaufsstart :
16.07.2010





Special vom: 30.07.2010
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
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