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17 - Yentown - Swallowtail Butterfly
rapid eye movies - Intro edition asien


Yentown

Story:
In einer Tokyo vorgelagerten Barackensiedlung herrscht der Yen. Jeder der hier - inmitten des sozialen Brachlandes - wohnt, will nur Geld verdienen. Aus aller Herren Länder strömen die Menschen hierher, auf der Suche nach dem großen Reichtum. All jene werden Yentowns genannt, der Ort ist unter der passenden Bezeichnung Yentown bekannt. Ein junges schüchternes Mädchen (Ayumi Ito) ist völlig allein, als die Mutter ermordet wird. Fortan lebt sie bei der Prostituierten und Lebenskünstlerin Glico (Chara), die ein Schmetterlingstattoo auf der Brust trägt, welches die Kleine beeindruckt. Deshalb gibt Gilco ihr den Namen Ageha, das chinesische Wort für Schmetterling. In den Folgejahren lernt Ageha sich im unwirtlichen Yentown zu behaupten, Gilcos Freund Feihong (Hiroshi Mikami) komplettiert das schlagkräftige Dreiergespann. Während Gilco einen Kunden bedient, kommt es zum tödlichen Zwischenfall. Gemeinsam versuchen sie, die Leiche zur Seite zu schaffen und entdecken dabei eine Musikkassette, auf der magnetische Daten eines 10.000 Yen-Geldscheins gespeichert sind. Durch die Blüten erlangen die Drei großen Reichtum, mit dem sie einen Nachtclub eröffnen. Bald ist Gilco eine gefragte Sängerin, doch Feihong und Ageha bleiben auf der Strecke. Während Feihong immer wieder mit der Polizei zu tun bekommt, lernt die zur kessen jungen Frau gereifte Ageha ihrem Platz in Yentown einzunehmen. Jeder der Drei wird seinen Weg gehen, doch niemals von Yentown loskommen.

Meinung und Hintergründe zum Film:
"Yentown" erzählt in seinen knapp 150 Minuten Laufzeit eine beeindruckende, emotionale und bewegende Geschichte, in deren Mittelpunkt ein kleines Waisenmädchen steht, das nach dem Tod der Mutter bei einer Prostituieren und deren Freund aufwächst. Ageha (Ayumi Ito) ist die Hauptfigur dieses sehenswerten Films aus Japan, der durch seine künstlerische Ästhetik auffällt und eine wendungsreiche Story erzählt. Das junge Mädchen steht nach dem Tod ihrer Mutter alleine. Yentown, ein heruntergekommener Vorort Tokyos, ist zu allem Überfluss nicht gerade der richtige Ort, um unbeschwert aufzuwachsen. Hier kommen Einwanderer aus aller Welt hin. Ihr einziges Ziel: Geld verdienen. Wie das Alltagsleben aussieht, kann man sich denken. Glück für Ageha, dass die Prostituierte Glico (Chara) sich ihrer annimmt. Schnell freunden sich beide an, die schüchterne Ageha bewundert die selbstbewusste Frau. Besonders ihr Schmetterlingstatoo zwischen den Brüsten hat es dem Mädchen angetan. Eine symbolisch aufgeladene Szene deutet hier den Handlungsverlauf bereits an, als nämlich Glico dem kleinen Mädchen eine Raupe aufmalt, ist dies an Zeichen für die bevorstehende Entwicklung der Kleinen. Ageha lernt, wo in Yentown "der Hase Läuft", wer was zu sagen hat und wer nie eine große Nummer sein kann. In Feihong (Hiroshi Mikami) hat sie neben Glico Familienersatz gefunden und wächst zusammen mit dem Paar auf. Bis zu dieser Stelle zeichnet Regisseur Shunji Iwai ("New York, I love you") ein erschreckendes Bild aus dem Leben der kleinen Protagonistin. Erinnerungen an die eindringlichen Bilder aus "City of God" oder "Sin Nombre" werden wach. Insgesamt weist "Yentown" auch weiterhin einige Parallelen zu den genannten Streifen aus Südamerika auf, denn auch Ageha wird sich im sozialen Brachland behaupten müssen und ihren Platz finden.

Das "Yentown" nicht ausschließlich als Drama weitergeführt wird, ist der wendungs- und facettenreichen Story zu verdanken, die neben der Hauptfigur weitere interessante Charaktere einführt und deren Geschichte erzählt. Alle Yentowns haben verschiedene Vergangenheiten, doch dieser Ort heftet sie zusammen. Ein gesellschaftlicher Brennpunkt wie dieser birgt immer auch die Gefahr hoher Kriminalitätsraten, schlimmer Verbrechen und unmenschlicher Zustände mit sich. Hier lernt jeder früh, mit den Bedingungen umzugehen - oder er bleibt auf der Strecke. Was den Zuschauer schocken mag, ist tief im Alltag der Menschen verwurzelt. Brisante Action kommt auf, als ein Kunde Glicos unbeabsichtigt stirbt. Während die drei den Leichnam "entsorgen", finden Sie in den Innereien ein Tape mit magnetischen Informationen. Dies wird zum Schlüssel für das weitere Leben des Trios, denn auf diese Weise bekommen sie die Möglichkeit, Blüten herzustellen mit denen sich alle Beteiligten in Yentown eine gute Ausgangslage verschaffen können. Ageha und Feihong eröffnen einen Nachtclub, der Glico die Karrieretür zur Star-Sängerin öffnet. Alles scheint gut, der kometenhafte Aufstieg scheint Ageha einen Entwicklungsschub zu verpassen. Aus der Raupe wird ein Schmetterling - Auch äußerlich, denn das Mädchen ist nun zur berechnenden Frau geworden, die gelernt hat, sich in Yentown zu behaupten. Während Feihong immer wieder mit den Gesetzeshütern in Konflikt steht, nimmt Ageha die Zügel in die eigenen Hände. "Yentown" ist zu diesem Zeitpunkt nahezu ein Coming-of-Age-Film, der sich nach dem Expose genauestens seinen Charakteren widmet. Als Ageha selbst einen Tattoomeister aufsucht und sich den Schmetterling stechen lässt, der sie geworden ist, hat sie einen langen Weg hinter sich. Doch auch nach knapp 100 Filmminuten ist für Shunji Iwai immer noch nicht alles erzählt.

"Yentown" legt den nächsten Story-Twist hin und kehrt zu angerissenen Geschichte um das "gefundene" Tape zurück. Der eigentliche Besitzer taucht irgendwann auf und verlangt den Schlüssel zum Falschgeld. Dennioch versinkt "Yentown" nicht als Mafiadrama im Strudel der Gewalt, Iwai schafft es weiter, Ideengehalt zu liefern. Neben dieser mannigfaltigen Inhaltsebene leistet der Regisseur und das gesamte Filmteam hervorragende Arbeit in Sachen Produktionsdesign und Kameraarbeit. Nicht nur das man stets glaubhafte und ungeschönte Bilder findet, die das Leben der Yentowns so "nah" schildern, als wäre der Zuschauer selbst vor Ort, bemühen sich die Macher um eine stilistisch eigenwillige Optik, die "Yentown" von anderen (Hochglanz-)Produktionen abhebt. Entstanden im Jahr 1996 zeigt er bereits früh, dass Wackelkamera und natürliche Lichtgestaltung ein Schlüssel zum authentischen Erzählstil sein können. Genau diese dreckigen, unschönen, schmerzlichen und verramschten Bilder sind der formale Schlüssel zum Film und letztendlich den Zuschaueremotionen. Durch beeindruckende Impressionen untermauert Iwai die filmische Erzählung. "Yentown" wird auf diese Weise zum einem Highlight der "Intro Edition Asien 2", welches durch Spannung und eine ausgereifte Story wie seine visuell ausgefallene Gestaltung in allen Belangen überzeugt.

DVD Aufarbeitung:
Die mittlerweile 14 Jahre alten Bilder wirken auf dem Fernsehschirm schon etwas angestaubt. Während die Schärfe völlig in Ordnung geht, sind matte Farben auszumachen. Diese dienen jedoch oft auch als gewolltes optisches Gestaltungsmerkmal, weshalb man hier nicht zu sehr Kritik ansetzen darf. Im Tonbereich wurde auf das vielsprachige Original gesetzt, welches aus einem Mischmasch von Japanisch, Englisch und Mandarin besteht. Keine deutsche Synchro könnte diese Authentizität darstellen, weshalb sich die Entscheidung, die deutsche Tonspur auszusparen, als Vorteil entpuppt. Deutsche Untertitel, die jederzeit gut lesbar sind, bringen dem Publikum "Yentown" näher.  

Als Extra gibt es unter der Bezeichnung "Impressionen" einige kurzweilige Aufnahmen der Filmentstehung zu sehen. Der Umfang von nur 10 Minuten entäuscht. Bei einem derart beeindruckenden Film erhofft sich jeder Zuschauer mehr Hintergründe zur Produktion.

Fazit:
"Yentown" erzählt eine beeindruckende Geschichte aus dem dreckigen, sozial-schwierigen Vorort Tokyos mit Namen Yentown, in dem alle geldgierigen Vagabunden landen und das gesellschaftliche Leben prägen. Neben vielen Figuren steht ein Waisenmädchen im Fokus, welches in dieser schlichtweg ungeeigneten Umgebung aufwachen und sich ihren Platz erkämpfen muss. Dieser sehenswerte Film ist ein Highlight in der 12-teiligen Auswahl der zweiten "Intro Edition Asien".

Daten zur DVD:

FSK-Freigabe:
Bildformat:
Laufzeit:
1,85:1
1,66:1
147:53 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Japanisch:
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1


Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Impressionen

Intro edition asien -
Yentown
Suwarôteiru

Marcus Offermanns
Optisch herausstechend und inhaltlich brillant
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:

Produktionsland,-jahr:
Japan, 1996
Regie:
Shunji Iwai
Drehbuch:
Shunji Iwai
Darsteller:
Ayumi Ito, Chara, Hiroshi Mikami, Yôsuke Eguchi, Andy Hui Chi-On

Label Deutschland :
rapid eye movies
DVD-Verleihstart Deutschland :
06.08.2010
DVD-Verkaufsstart :
06.08.2010

Vertrieb Schweiz :
Kein Vertrieb bekannt
DVD-Verleihstart Schweiz :
Kein Termin bekannt
DVD-Verkaufsstart Schweiz :
Kein Termin bekannt




Special vom: 30.09.2010
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
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