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19 - Strange Circus
rapid eye movies - Intro edition asien


Strange Circus

Story:
Taeko (Masumi Miyazaki) ist gefeierte Autorin erotischer Literatur. Derzeit schreibt sie an einem neuen Buch über die kleine zwölfjährige Mitsuko, die unter den sexuellen Übergriffen das Vaters leidet. Taekos Assistent Yuji (Issei Ishida) ist sich allerdings nicht sicher, ob die an den Rollstuhl gefesselte Autorin ihre dramatische Geschichte tatsächlich erfunden hat, oder eigene Kindheitserlebnisse verarbeitet. Er setzt sich das Ziel, alles über Taeko zu erfahren und öffnet damit eine Tür, die in ungeahnte Sphären führt. Bald offenbart sich Yuji eine willkürliche Albtraumwelt voller Wahnvorstellungen und bizarrerem Surrealismus...

Meinung und Hintergründe zum Film:
Regisseur Shion Sono ("Love Exposure", "Exte: Hair Extensions") ist in den letzten Jahren durch seine äußerst vielseitigen Filme aufgefallen, die inhaltsstark und aufgrund ihrer treffsicheren Inszenierung überzeugten, weshalb sie auch außerhalb Asiens ein großes Publikum fanden. Sono hat keine Angst davor, in die seelischen Abgründe von Charakteren einzudringen und versteht es vortrefflich, diese durch extreme Bilder jeder Art zu visualisieren. Bizarr, kurios, schrecklich und fesselnd können seine Filme und deren Look beschrieben werden. "Strange Circus" folgt diesem Stil in aller Deutlichkeit und präsentiert auf seine ganz eigene Art, die nicht wenige Zuschauer an das fragmentierte Erzählen eines gewissen David Lynch erinnert, die Geschichte der Autorin Taeko (Masumi Miyazaki, "Teppan shôjo akane!!"). Diese schreibt gerade ihr neues Werk und stellt einen Verlagsmitarbeiter, der ihr als Assistent zur Seite gestellt wird, vor ein großes Rätsel: Sind wirklich alle Facetten der Story um eine von sexuellem Missrauch zerrütteten Familie frei erfunden?  

Sono eröffnet "Strange Circus" auf eine intelligente Art, indem er quasi die Geschichte des kleinen Mädchens zeigt. Dem Zuschauer wird erst nach einiger Zeit offenbart, dass dieses Expose des Films gar nicht dessen primäre Handlungsebene ist, sondern den Inhalt des Romans darstellt, an dem Taeko gerade arbeitet. Oder ist da Ganze nicht so klar, wie es zunächst den Anschein hat? Bedeutet diese Verzwirbelung der Geschichten etwa auch, dass Taeko auf ihre Weise mit dem Mädchen verbunden ist? Bald erkennt das bloße Auge die Grenzen zwischen Film- und Romanhandlung nicht mehr. Künstlerisch kreativ lässt Sono beides ineinanderfliessen und erinnert damit an die höchst undurchsichtige, befremdend ungewöhnliche Erzählweise eines David Lynch ("Blue Velvet", "Lost Highway") oder Richard Kelly ("Donnie Darko"). Die Dimensionen sind unklar. Wo, bzw. in welcher "Welt" sich der Zuschauer befindet, kann dieser lediglich erahnen. Das Geschick des Regisseurs beschert der "Intro Edition Asien 2" mit "Strange Circus" einen höchst undurchsichtigen Beitrag, der aufgrund seines Konzepts und der durchweg guten Leistung des Darstellerensembles absolut sehenswert ist.  

Sonos Werke handeln immer auch von Gesellschaft und Individuum, beziehen sich neben der Haupthandlung immer auch auch auf aktuelle Tendenzen und verschiedenste Gegebenheiten. Denkt man an "Love Exposure" oder "Exte: Hair Extensions" erscheinen deren extreme Bilder und die inhaltlichen Facetten erneut vor dem inneren Auge des Betrachters. Eine schier außergewöhnliche visuelle Stärke zeichnet neben dem fabelhaft erzählten Inhalt Sonos Werke aus. Er zeigt explizite Bilder, die ausdrucksstark und einprägsam, aber auch verletzend und fordernd sein können. "Strange Circus" macht da keine Ausnahme - das Befassen fordert Durchhaltevermögen und Nerven. Bilder und Geschichte berühren den Zuschauer immens. Nach der Sichtung bleibt ein verstörter Zuschauer zurück, der sich fragt, wie es Sono immer wieder gelingt, seinen Stil durchzusetzten, ohne sich selbst den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Sehenswert, aber schwierig und strapaziös ist "Strange Circus", aber nicht zuletzt auch kunstvoll, kreativ und vielseitig. Für jeden, der sich mit asiatischem Kino beschäftigen will, gehören Sonos Arbeiten auf die Agenda.  

DVD Aufarbeitung:
Bei der Bildqualität reicht "Strange Circus" nicht an die Top-Titel der DVD-Reihe heran. Stellenweises Bildrauschen verhindert eine höhere Bewertung, beim Kontrast und der Helligkeit ist jedoch alles in bester Ordnung. Der deutsche und japanische Ton liegt als zeitgemäße 5.1-Spur vor. Zusätzlich können deutsche Untertitel eingeblendet werden.

Im Extra-Bereich gibt es den Kinotrailer sowie ein Making of zu sehen. Beide Features erreichen zusammen mit ca. 75 Minuten eine ordentliche Länge.

Fazit:
"Strange Circus" ist ein kunstvoll inszeniertes Drama, das von seinen starken Bildern profitiert und auch inhaltlich viel zu bieten hat. Der Regisseur ist ein Meister des visuellen Gestaltens und nutzt sein Talent bei diesem Streifen optimal aus. Die DVD ist mit guten Ausstattungsmerkmalen eine der umfangreicheren DVDs der "Intro Edition Asien 2".  

Daten zur DVD:

FSK-Freigabe:
Bildformat:
Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
108:19 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Japanisch:
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch:
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1

Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Making of

Intro edition asien -
Strange Circus
Kimyô na sâkasu

Marcus Offermanns
Verschwurbelte Welten, starke Bilder - Meisterhaft & kunstvoll zugleich
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:

Produktionsland,-jahr:
Japan, 2005
Regie:
Shion Sono
Drehbuch:
Shion Sono
Darsteller:
Masumi Miyazaki, Issei Ishida, Rie Kuwana, Mai Takahashi, Fujiko

Label Deutschland :
rapid eye movies
DVD-Verleihstart Deutschland :
03.09.2010
DVD-Verkaufsstart :
03.09.2010

Vertrieb Schweiz :
Kein Vertrieb bekannt
DVD-Verleihstart Schweiz :
Kein Termin bekannt
DVD-Verkaufsstart Schweiz :
Kein Termin bekannt




Special vom: 04.11.2010
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
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