Service Entrance
Story: Paris im Jahr 1960: Der reiche Aktienmakler Jean-Louis Joubert (Fabrice Luchini) und seine Frau leben ihr Snob-Dasein in vollen Zügen: Bestimmend und besserwisserisch pfeifen sie das Hauspersonal umher. Doch erst als frische María (Natalia Verbeke) zu den spanischen Haushälterinnen im sechsten Stock zieht und bei den Jouberts anheuert, merkt Jean-Louis die verstaubte Langeweile in seinem Leben. Fortan beschäftigt sich der kaum wiederzuerkennende Hausherr mit den lebensfrohen Damen und erfährt bald darauf wahre Freundschaft. Besonders die hübsche María hat es ihm angetan und ehe er sich umsehen kann, steht sein Leben auf dem Kopf...
Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening Dass ein fröhlicher Film wie "Service Entrance" oder im Original "Les femmes du 6ème étage" neben allen ersten Stoffen ein Teil dieser Berlinale ist, erfreute bei der internationalen Premiere im Berlinale Palast jeden im Publikum. Zwar läuft der Film außer Konkurrenz, dennoch kann das Festival-Publikum so die berühmte Abwechslung zwischendurch erfahren. Außerdem macht sich eine internationale Premiere immer gut. So war auch Regisseur Philippe Le Guay zusammen mit Natalia Verbeke und Carmen Maura dem Ruf nach Berlin geeilt und erntete nach dem Screening gellenden Applaus. Und das zurecht, denn "Service Entrance" ist eine ausgeklügelte Komödie mit einem tollen Drehbuch und sicherer Inszenierung. Hausmädchen María bringt das Leben des gut situierten Jean-Louis mächtig aus den Fugen. Angesiedelt im Frankreich des Jahrs 1969, spielt der Film überwiegend in Jean-Louis' Haus. Über seiner Nobelwohnung, die er zusammen mit seiner snobbigen Frau und den hochnäsigen Kindern bewohnt, leben im sechsten Stock eine ganze Reihe Dienstmädchen, welche zu jener Zeit meist aus Spanien kamen und die Haushalte derreichen Franzosen auf Trab brachten. Durch die lebensfrohe, aufgeweckte junge Frau beginnt Jean-Louis hinter die Fassade seines aufgesetzten Lebens zu schauen und erkennt, den Unsinn, den er Tag für Tag treibt. Das Jean-Louis neuerdings so viel Zeit mit den "Unterprivilegierten" verbringt, gefällt allerdings weder Frau noch Kindern. Der wunderbare Film zieht seinen Reiz aus der klugen Aufarbeitung der Gegensätze. Sozialer Stand, Kultur, Geschlecht. Natürlich ist "Service Entrance" nicht der erste Film mit diesem Thema, doch selten wurde dies so humorvoll unterhaltsam und doch handfest konzipiert aufgearbeitet, wie es Monsieur Le Guay präsentiert.
Dass jede der Figuren liebevoll gezeichnet und wahrlich beseelt ist, ist der Kniff des Films. Hier agieren "runde" Charaktere, von denen Frau wie Mann die eigene Geschichte hat. Griffig erweisen sie sich, wie auch der Erzählstrang von Marí a und Jean-Louis. Der Mann im gediegenen Alter kommt nämlich erst langsam auf die Idee, die jüngere Spanierin sei gut für ihn. Sie ist es, die zunächst unbeabsichtigt, dann aber fulminant und herzlich, den snobbigen Gutverdiener aus seinem aufgesetzten Leben erweckt. Herrlich gespielt, vor allem vom weiblichen Cast, zeigt sich "Service Entrance" als bestens inszenierter Komödienhit aus Frankreich, der einseitig den Konventionen dieses Genres entspricht, auf der anderen Seite durch seine Lockerheit fasziniert und durchweg für gute Stimmung sorgt. Ohne den bei solchen Filmen oft zu erwartenden Knall, Plottwist oder andere Scherereien gelingt dem Regisseur ein ausgereifter Film der besonderen Art: Es lebe den die Damen der sechsten Etage! Fazit: "Service Entrance" ist eine treffsichere Komödie aus Frankreich, die außer Konkurrenz lief, aber sicher eine Bereicherung für das Berlinale-Programm darstellt. Tolles Drehbuch, gekonnt inszeniert und bestens gespielt – so müssen Unterhaltungsfilme in Berlin aussehen, um neben dem zum Teil schweren Festivalprogramm auch abwechslungsreiche heitere Unterhaltungsmomente zu bieten!
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  Frohsinnige Komödie, die durch ihre lebendigen Charaktere aufblüht
Autor der Besprechung: Marcus Offermanns
Filmdaten: Produktionsland,-jahr: Frankreich, 2011 Regie: Philippe Le Guay Drehbuch: Philippe Le Guay, Jérôme Tonnerre Darsteller:
Fabrice Luchini, Sandrine Kiberlain, Natalia Verbeke
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