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Über uns das All
cineproject

Über uns das All

Story:
Lehren Martha Sabel (Sandra Hüller) führt eine glückliche Ehe mit Paul (Felix Knopp). Der schwebt nach einer erfolgreichen Schrift beruflich auf Wolke 7 und will wegen eines lukrativen Jobs mit Martha nach Marseille umziehen. Diese willigt euphorisch ein, kündigt den Job und packt ihre Sachen. Um erste Dinge zu erledigen, reist Paul eine Woche vor Martha ab. Kurz nachdem Paul fort ist, schellen zwei Polizistinnen und unterbreiten Martha die Nachricht von Pauls Selbstmord. Zunächst schockiert, will sie sich auch später nicht mit dem Geschehenen abfinden und kann Paul nicht loslassen. 

Meinung und Hintergründe zum Festivalscreening
Jung-Regisseur Jan Schomburg feiert mit "Über uns das All" sein Langfilm-Debüt und hat mit der Aufnahme ins Berlinale-Programm schonmal den ersten Erfolg zu verbuchen. Sandra Hüller hingegen ist bberlinaleei aufmerksamen Besuchern durchaus bekannt, da sie quasi ein Dauergast des Festivals ist: 2006 konnte sie für ihre Leistung in "Requiem" den Silbernen Bären gewinnen, ein Jahr später spielte sie im Beitrag "Madonnen". Mit der Rolle der Martha hat sie erneut eine am Abgrund stehende weibliche Hauptfigur übernommen, die den Selbstmord ihres Mannes verkraften muss. Dabei glaubt sie den beiden Polizistinnen kein Wort, als diese in typischem Beamtenstil die schreckliche Nachricht überbringen. Paul (Felix Knopp. "Nichts als Gespenster") hat sich in Marseille das Leben genommen, Martha steht alleine und kann erst als sie den Leichnam mit eigenen Augen sieht glauben, was passiert sein soll.

In fast schon erschreckender emotionaler Kühle erledigt Matha anschließend die Formalitäten, doch abschließen kann sie nicht. "Über uns das All" ist ein waschechtes Drama, der Film berührt, Marthas schreckliches Schicksal wird durch die sensible Darstellungsweise der hochtalentierten Mimin für den Zuschauer nahezu erfahrbar. Verzweiflung, Trauer, der Schockzustand und das Nichtwahrhabenwollen sind dermaßen eindringlich verkörpert, dass sich dem Publikum im Saal die Kehle zuschnürt. Doch was in den folgenden zwei Filmdritteln abläuft, übertrifft jegliche Hypothesen.

Martha lernt kurz nach den traumatischen Geschehnissen Alexander (Georg Friedrich, "Nordwand") kennen, verheimlicht ihm das Vorangegangene jedoch. "Über uns das All" erzählt seine Geschichte überwiegend aus Marthas Perspektive, ihren (Leidens-)Weg verfolgt der Zuschauer aus nächster Nähe. Mit sequenzbezogenem Wechsel in Alexanders Perspektive offenbart sich erst spät ihr tatsächliches Vorgehen. Das dieser Film kein einfacher ist, erschließt sich logischerweise aus dem Plot. Das Drama stellt dennoch interessante Fragen und lenkt damit gekonnt durch das verstörende Setting. Mehrere kluge Wendungen verleihen dem Werk seine unkonventionelle Dramaturgie. Wer an deutschem Kino Gefallen findet und sich mit der unaufgeregten, kühlen Inszenierungsweise des Regisseurs anfreunden kann, wird eine sehenswerte Kinoerfahrung aus Berlin mitnehmen und tief in die verletzte Seele einer komplex anregten Frauenfigur blicken.

Fazit:
"Über uns das All" ist ein sehenswertes, berührendes und handwerklich gekonnt inszeniertes Drama. Die Frauenfigur der Martha, erneut überzeugt Sandra Hüller durch exzellentes Spiel, ist vielschichtig angelegt und schafft es vortrefflich, den Film zu tragen. Die Inszenierung ist aufgrund der unaufgeregten Erzählweise gewöhnungsbedürftig, passt jedoch hervorragend zum Konzept des Films.

berlinale


Marcus Offermanns
Verschachteltes Drama mit klugen Wendepunkten
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns

Filmdaten:

Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2011
Regie:
Jan Schomburg
Drehbuch:
Jan Schomburg
Darsteller:
Sandra Hüller, Georg Friedrich, Felix Knopp





Special vom: 17.02.2011
Autor dieses Specials: Marcus Offermanns
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