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Interview mit Ron Perlman
Hellboy

INTERVIEW MIT RON PERLMAN (HELLBOY)

Zum Filmstart von Hellboy hatten wir die Gelegenheit, ein Gespräch mit Hauptdarsteller Ron Perlman zu führen. Der durch seiner Arbeit an der TV-Serie "Die Schöne und das Biest" mehrfach ausgezeichnete Schauspieler stellte sich als sympathischer und lustiger Zeitgenosse heraus, der aber auch einige ernste Worte für uns parat hatte.

Splashmovies: Sie haben einen "Master of Fine Arts", spielen jedoch sehr häufig in Actionfilmen. Was ist Ihnen persönlich lieber - stilistische Kunstwerke oder kommerzielle Action?

Ron Perlman: Ich bewerte, was ich mache, immer nur nach der Rolle, die ich spiele. Solange der Charakter interessant, vielschichtig und eigenwillig ist, in einer Art, wie ich kenne, sie bislang noch nicht gespielt habe, bin ich sehr zufrieden damit. Es ist egal, welchem Genre der Film angehört, ob es ein großer, $100 Mio.-Studiofilm ist, oder ein kleiner, wenige Millionen Dollar Independent-Film. Mein Kriterium ist mein Kriterium und das ändert sich mit nichts.

Splashmovies: Gibt es einen anderen Helden oder Bösewicht, den Sie gerne spielen würden?

Ron Perlman: Ich bin sehr zufrieden damit, Hellboy gespielt zu haben. Was Superhelden anbetrifft, ist er für mich die letzte Station der Befriedigung. Ich brauche nicht nach irgendetwas Größerem als dieses zu strebe. Ich würde ihn gerne wieder spielen. Und ich glaube, ich werde ihn wieder spielen.

Splashmovies: Können Sie sich vorstellen, eine ganze Hellboy-Serie zu drehen?

Ron Perlman: Ich glaube ich würde es tun, so lange ich noch laufen kann (lacht). Solange das Publikum interessiert daran ist, Hellboy-Filme zu sehen, würde ich es gern machen. Ich liebe es, diesen Typen zu spielen.

Splashmovies: Sie spielen häufig Charaktere mit deformierten Gesichtszügen. Ist es ein Problem für Sie, immer die Person mit "dem anderen Gesicht" zu spielen?

Ron Perlman: Das ist, was Gott mir gegeben hat. Du musst mit dem Mädchen tanzen, das du mitgebracht hast. Ich hatte so viele, wirklich erfüllende Erlebnisse in meiner Zeit als Schauspieler, dass ich mich nicht lange damit beschäftige, was hätte sein können, wenn ich anders aussehen würde. Das ist irrelevant und nicht zu beantworten. Fakten sind Fakten und die sind, dass ich mit einigen großartigen Filmemachern an einigen wirklichen interessanten Projekten zusammengearbeitet habe, die von großartiger Aussage waren. Und da bin ich sehr stolz drauf.


Ron Perlman beim Fantasy Filmfest in Berlin

Splashmovies: Lesen Sie gerne Comics?

Ron Perlman: Nein. Ich bin nicht der Comicleser-Typ.

Splashmovies: Auch nicht in Ihrer Kindheit?

Ron Perlman: Nicht wirklich. Ich war niemals ein Comic-Typ.

Splashmovies: Haben Sie den Hellboy-Comic gelesen?

Ron Perlman: Es gibt einen Hellboy-Comic? (lacht) Das war nur Spaß. Natürlich habe ich das. Er ist großartig.

Splashmovies: Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Comic und dem Film?

Ron Perlman: Der Film ist weitestgehend eine Hommage an Mike Mignolas Universum, das sehr einzigartig ist und sehr anders als andere Comic-Universen. Aber Film ist Film und Comics sind Comics. Ab einem gewissen Punkt gibt es Abweichungen. Denn man muss von einem sehr eindimensionalen Medium zu einem dreidimensionalen, lebenden, atmenden Ding mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende wechseln, das sehr linearer verläuft. Wir haben uns aber die allergrößte Mühe gegeben, so dicht am Geist Mignolas zu bleiben, wie wir es konnten, weswegen Mike auch am Film mitgearbeitet hat. Mike war verantwortlich für einen großen Teil des Sets, dem Aussehen des Films, den Farben.

Splashmovies: Haben Sie Mike Mignola kennengelernt?

Ron Perlman: Ja, er hat am Film mitgearbeitet und wurde gestresst durch eine Menge Aufnahmen. Ich habe ihn sehr gut kennen gelernt.

Splashmovies: Können Sie sich mit Hellboy identifizieren?

Ron Perlman: Ja. Er trinkt Bier, er raucht Zigarre, er wird zu einem 13-jährigen Jungen, wenn seine Freundin bei ihm ist, hat dann Probleme sich auszudrücken, wird unsicher und ist dann sehr abweichend von der Art, wir er sonst im Leben ist. Er ist sehr witzig. Er versucht sich durch das Leben zu witzeln, um sich selbst zu beweisen, dass er nicht ein lausiges, verpfuschtes, einsames Dasein fristet. Ich habe eine Beziehung zu all dem.

Splashmovies: Es war also nicht schwer, ihn zu spielen?

Ron Perlman: Nein. Es war so mühelos wie alles, was ich vorher getan haben.

Splashmovies: Hatten Sie in irgendeiner Art bizarre Erlebnisse mit verrückten Comicfans?

Ron Perlman: Noch nicht. Aber es ist noch früh (schaut auf die Uhr und grinst).

Splashmovies: Auch nicht während des Drehs?

Ron Perlman: Nein. Wir drehten in Prag an einem kleinen, geheimen Ort, wo niemand hingelangen konnte.

Splashmovies: Was war die größte Fehlentscheidung, die Sie jemals getroffen haben?

Ron Perlman: Fehlentscheidung? Immer Weiterzumachen vielleicht (lacht). Oh Mann, ich könnte nicht eine einzelne nennen. Es gibt Dutzende. Ich glaube am Ende hat sich aber doch alles zum Guten gewendet (wird nachdenklich). Und die einzige Zeit, in der ich jemals etwas gelernt habe im Leben, war als ich alles vermasselte. Ich machte Fehler und versagte und kam einfach nicht weiter. In der Zeit habe ich am meisten gelernt. Als ich erfolgreich war, habe ich nicht sehr viel gelernt.

Splashmovies: Wenn Sie kein Schauspieler geworden wären, was wären Sie anstelle dessen geworden?

Ron Perlman: Wahrscheinlich wäre ich ein Penner. Auf der Straße. Denn ich habe keine andere Fähigkeit und kein anderes Streben (kurze Pause). Oder ich könnte Journalist sein (lacht). Nein. Ich mache nur Spaß. Das war nur ein Witz.


Ron Perlman beim Fantasy Filmfest in Berlin

Splashmovies: Wie einsam haben Sie sich beim Dreh zu "Die Stadt der verlorenen Kinder" gefühlt? Denn Sie waren dort ja der einzige nicht französisch sprechenden Mensch am Set. Alle anderen sprachen französisch.

Ron Perlman: Ich hatte einen Übersetzer. Ich war der Einzige bei dem ganzen Film, der nicht französisch gesprochen hat. Und die Regisseure waren die Einzigen bei dem ganzen Film, die kein Englisch gesprochen haben. Um kommunizieren zu können, brauchten wir also immer einen Übersetzer.

Splashmovies: War das nicht komisch?

Ron Perlman: Sehr komisch. Es war der erste Film, den ich machte, ohne dabei den Vorteil zu haben, zu verstehen, was zur Hölle irgendjemand da gerade sagte.

Splashmovies: Haben Sie sich einsam gefühlt, weil nur ihr Übersetzer Sie verstanden hat?

Ron Perlman: Nein. Ich war ja in Paris. Das ist eine sehr aufregende Stadt, die sehr viel Menschlichkeit hat. Also habe ich mich niemals einsam gefühlt. Ich fühle mich überhaupt nicht mehr einsam. Dies war der Fall, als ich jünger war. Aber ich habe jetzt so viele komische Stimmen in meinem Kopf, dass ich niemals allein bin (zieht Grimassen und lacht).

Splashmovies: Das waren die Fragen. Ich danke Ihnen für das Interview.

Ron Perlman: Ich danke Ihnen.

Hier könnt Ihr euch das gesamte Interview als RealMedia-Stream ansehen oder herunterladen:



Das Interview führte Stephanie Eckhardt
Übersetzt und überabreitet wurde es durch Michael Tomiak


Copyright (c) 2004 by Splashmovies


Special vom: 13.09.2004
Autor dieses Specials: Marcel Lanthemann
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