Splashmovies:
Lesen Sie gerne Comics?
Ron Perlman:
Nein. Ich bin nicht der Comicleser-Typ.
Splashmovies:
Auch nicht in Ihrer Kindheit?
Ron Perlman:
Nicht wirklich. Ich war niemals ein Comic-Typ.
Splashmovies:
Haben Sie den Hellboy-Comic gelesen?
Ron Perlman:
Es gibt einen Hellboy-Comic? (lacht) Das war nur Spaß. Natürlich habe ich das. Er ist großartig.
Splashmovies:
Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem Comic und dem Film?
Ron Perlman:
Der Film ist weitestgehend eine Hommage an Mike Mignolas Universum, das sehr einzigartig ist und sehr anders als andere Comic-Universen. Aber Film ist Film und Comics sind Comics. Ab einem gewissen Punkt gibt es Abweichungen. Denn man muss von einem sehr eindimensionalen Medium zu einem dreidimensionalen, lebenden, atmenden Ding mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende wechseln, das sehr linearer verläuft. Wir haben uns aber die allergrößte Mühe gegeben, so dicht am Geist Mignolas zu bleiben, wie wir es konnten, weswegen Mike auch am Film mitgearbeitet hat. Mike war verantwortlich für einen großen Teil des Sets, dem Aussehen des Films, den Farben.
Splashmovies:
Haben Sie Mike Mignola kennengelernt?
Ron Perlman:
Ja, er hat am Film mitgearbeitet und wurde gestresst durch eine Menge Aufnahmen. Ich habe ihn sehr gut kennen gelernt.
Splashmovies:
Können Sie sich mit Hellboy identifizieren?
Ron Perlman:
Ja. Er trinkt Bier, er raucht Zigarre, er wird zu einem 13-jährigen Jungen, wenn seine Freundin bei ihm ist, hat dann Probleme sich auszudrücken, wird unsicher und ist dann sehr abweichend von der Art, wir er sonst im Leben ist. Er ist sehr witzig. Er versucht sich durch das Leben zu witzeln, um sich selbst zu beweisen, dass er nicht ein lausiges, verpfuschtes, einsames Dasein fristet. Ich habe eine Beziehung zu all dem.
Splashmovies:
Es war also nicht schwer, ihn zu spielen?
Ron Perlman:
Nein. Es war so mühelos wie alles, was ich vorher getan haben.
Splashmovies:
Hatten Sie in irgendeiner Art bizarre Erlebnisse mit verrückten Comicfans?
Ron Perlman:
Noch nicht. Aber es ist noch früh (schaut auf die Uhr und grinst).
Splashmovies:
Auch nicht während des Drehs?
Ron Perlman:
Nein. Wir drehten in Prag an einem kleinen, geheimen Ort, wo niemand hingelangen konnte.
Splashmovies:
Was war die größte Fehlentscheidung, die Sie jemals getroffen haben?
Ron Perlman:
Fehlentscheidung? Immer Weiterzumachen vielleicht (lacht). Oh Mann, ich könnte nicht eine einzelne nennen. Es gibt Dutzende. Ich glaube am Ende hat sich aber doch alles zum Guten gewendet (wird nachdenklich). Und die einzige Zeit, in der ich jemals etwas gelernt habe im Leben, war als ich alles vermasselte. Ich machte Fehler und versagte und kam einfach nicht weiter. In der Zeit habe ich am meisten gelernt. Als ich erfolgreich war, habe ich nicht sehr viel gelernt.
Splashmovies:
Wenn Sie kein Schauspieler geworden wären, was wären Sie anstelle dessen geworden?
Ron Perlman:
Wahrscheinlich wäre ich ein Penner. Auf der Straße. Denn ich habe keine andere Fähigkeit und kein anderes Streben (kurze Pause). Oder ich könnte Journalist sein (lacht). Nein. Ich mache nur Spaß. Das war nur ein Witz.
Ron Perlman beim Fantasy Filmfest in Berlin
Splashmovies:
Wie einsam haben Sie sich beim Dreh zu "Die Stadt der verlorenen Kinder" gefühlt? Denn Sie waren dort ja der einzige nicht französisch sprechenden Mensch am Set. Alle anderen sprachen französisch.
Ron Perlman:
Ich hatte einen Übersetzer. Ich war der Einzige bei dem ganzen Film, der nicht französisch gesprochen hat. Und die Regisseure waren die Einzigen bei dem ganzen Film, die kein Englisch gesprochen haben. Um kommunizieren zu können, brauchten wir also immer einen Übersetzer.
Splashmovies:
War das nicht komisch?
Ron Perlman:
Sehr komisch. Es war der erste Film, den ich machte, ohne dabei den Vorteil zu haben, zu verstehen, was zur Hölle irgendjemand da gerade sagte.
Splashmovies:
Haben Sie sich einsam gefühlt, weil nur ihr Übersetzer Sie verstanden hat?
Ron Perlman:
Nein. Ich war ja in Paris. Das ist eine sehr aufregende Stadt, die sehr viel Menschlichkeit hat. Also habe ich mich niemals einsam gefühlt. Ich fühle mich überhaupt nicht mehr einsam. Dies war der Fall, als ich jünger war. Aber ich habe jetzt so viele komische Stimmen in meinem Kopf, dass ich niemals allein bin (zieht Grimassen und lacht).
Splashmovies:
Das waren die Fragen. Ich danke Ihnen für das Interview.
Ron Perlman:
Ich danke Ihnen.
Hier könnt Ihr euch das gesamte Interview als RealMedia-Stream ansehen oder herunterladen:
Das Interview führte Stephanie Eckhardt
Übersetzt und überabreitet wurde es durch Michael Tomiak
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