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Faszination Alexander


FASZINATION ALEXANDER


Alexander der Große eroberte die Welt nicht allein aufgrund seines militärischen Genies, sondern, und das ist vielleicht wesentlich wichtiger, durch die Kraft seiner Ideen. Was Alexander in seinen fast 33 Jahren Jahren auf Erden erreichte, hallte durch die Jahrhunderte nach, unterrichtet uns noch immer über das Leben in den Ländern, die er vor mehr als 2000 Jahren eroberte. Obwohl er der ultimative Krieger war, hatte Alexander doch auch die Seele eines Forschers. Auf seinem 35.000 Kilometer langen Marsch in die Ferne ging es ihm nicht um die Zerstörung, sondern um die Neuerfindung jeder einzelnen Kultur. Er wollte sie nach seiner Vision für eine neue Welt formen und vielleicht das Schicksal der ganzen Menschheit verändern. Durch sein Handeln vereinte er vorübergehend Ost und West, verbreitete Gedanken und Kultur des Hellenismus mit nachhaltiger Wirkung über die östliche Hemisphäre.

Was er erreichte, war erstaunlich - unabhängig davon, welchen Maßstab man anlegt. Überträgt man sein Imperium auf die Gegenwart, umfasst es Griechenland, Albanien, Türkei, Bulgarien, Ägypten, Libyen, Israel, Jordanien, Syrien, Libanon, Zypern, Irak, Iran, Afghanistan, Usbekistan, Pakistan und Indien. 323 vor Christus, im Jahr seines Todes, dehnte sich sein Reich auf über 3,2 Millionen Quadratkilometer aus.

Eine enorme Anzahl von Büchern hat sich Alexander gewidmet. Darunter finden sich Romane sowie historische, psychologische, ja sogar praktische Ansätze. Aktueller Beweis für letztere Herangehensweise sind zwei kürzlich veröffentlichte Bücher, die Alexanders Militärstrategien für einen Ratgeber für moderne Geschäftsleute umsetzen. Abgesehen aber von einem fast 50 Jahre zurückliegenden Versuch Hollywoods, hat kein Filmemacher bisher einen Weg gefunden, Alexanders außerordentliches Leben auf die Leinwand zu übertragen. Das änderte sich erst, als Oliver Stone die Herausforderung annahm, diese Geschichte in seinem Epos ALEXANDER zu erzählen.



Die Produktion des Films umfasste die verschiedensten Bereiche, die alle im Dienst der Aufgabe standen, Alexanders Welt originalgetreu zum Leben zu erwecken. Unter den zahlreichen Sets fanden sich detaillierte Nachbauten luxuriöser Paläste, die außergewöhnliche Bibliothek von Alexandria sowie das großartige Babylon inklusive der berühmten Hängenden Gärten, eines der Sieben Weltwunder der Antike. Darüber hinaus musste jeder Schauspieler mit einem ausgewählten Akzent sprechen, um die miteinander verwandten Sprachen und die große Vielfalt an Dialekten der damaligen Zeit widerzuspiegeln.

Als Vorbereitung für ihre Rollen unterzogen sich alle Schauspieler, die Soldaten verkörperten, darunter auch Colin Farrell und Jared Leto, einem Intensivtraining in antiken Kampfstrategien und im Gebrauch exakter Repliken griechischer und makedonischer Waffen. Alle Schlachten sind von epischem Ausmaß. Nachgestellt für die Leinwand wurde die Schlacht von Gaugamela, in der Alexanders zahlenmäßig stark unterlegene Truppen einen überwältigenden Sieg über die gewaltige persische Armee davontrugen, aber auch eine verbissen geführte Schlacht in den Wäldern Indiens, in der Alexanders Truppen gegen mächtige Elefanten kämpften.

„Das Schöne an Alexander ist, dass er immer gesiegt hat“, fasst Oliver Stone zusammen. Zu Stones hoch gelobten Filmen zählen: AN JEDEM VERDAMMTEN SONNTAG („Any Given Sunday“, 1999), NIXON („Nixon“, 1995), NATURAL BORN KILLERS („Natural Born Killers“, 1994), JFK – JOHN F. KENNEDY- TATORT DALLAS („JFK“, 1991), THE DOORS („The Doors“, 1991), GEBOREN AM 4. JULI („Born on the Fourth of July“, 1989), WALL STREET („Wall Street“, 1987) und PLATOON („Platoon“, 1986). „An Alexander wird man sich immer, zumindest aus zwei Gründen, erinnern“, fährt Stone fort. „Zum einen, weil er ohne eine militärische Niederlage die Welt eroberte, zum anderen, da er ein Visionär und ein Mann mit einer bemerkenswerten und großzügigen Seele war. Er war vielleicht der größte Krieger aller Zeiten, bedeutender noch als seine mythischen Helden Achilles und Herakles. Unter dem Einfluss dieser Figuren aus der griechischen Mythologie wuchs er auf, und er glaubte an sie wie kein anderes Kind. Aus diesem Glauben, aus dieser Überzeugung heraus entwickelte sich dieser monumentale Antrieb und diese Vorsehung, die er auch tatsächlich erfüllte.“



Seit seiner Kindheit von Alexander fasziniert und inspiriert von der griechischen Mythologie, träumte Stone seit Jahren von einem Alexander-Film. „Als frustrierter Student gab ich mich in meiner Fantasie der Vorstellung hin, mit einer kleinen Dokumentarfilmcrew und Kameras in die Vergangenheit zu reisen und tatsächlich Alexanders Militärkampagnen zu filmen“, erinnert sich der Regisseur. „32 Jahre später bot sich mir endlich diese eine Gelegenheit, eine Zeitreise anzutreten und diese Ära, so gut wie ich es nur konnte, wieder zum Leben zu erwecken.“

Moritz Borman, Produzent von ALEXANDER, war fasziniert davon, wie tief sich Stone für sein Drehbuch in Alexanders Gedankenwelt hineinversetzt hatte. „Die meisten von uns haben ein paar geschichtliche Vorkenntnisse über Alexander“, sagt Borman, „aber über den Mann selbst, über seine Seele, über das, was ihn bewegte, wissen sie wenig. Olivers Drehbuch stellte die richtigen Fragen. Wo kam dieser Mann her, was waren seine Prüfungen, was ließ ihn leiden, wie hat ihn seine kulturelle Umgebung geformt, was passierte, wenn er auf unterschiedliche Kulturen traf, wenn er sich mit offensichtlich unmöglich zu bewältigenden Situationen auseinander setzen musste? Das war nicht nur eine Geschichtslektion, sondern ein Drehbuch über einen Mann, der auch heute noch relevant für uns ist. Ein Drehbuch über viele der Themen, die uns auch heute beschäftigen. Die ganze Geschichte Alexanders wurde lebendig in diesem Skript – eine wirklich dramatische und ruhmvolle Geschichte.“

Als historischen Berater engagierte Stone Robin Lane Fox, ein Mitglied des New College in Oxford und Autor einer 1972 erschienenen Alexander-Biographie. Sie gilt als eine der besten moderneren Arbeiten über Alexanders Leben und über eine Million Exemplare wurden von ihr verkauft. Das enzyklopädische Wissen von Fox über Alexander lieferte den Filmemachern eine Informationsbasis für das Drehbuch und sorgte gelegentlich auch für fachkompetente Unterstützung am Set.



„Ich traf Oliver erstmals vor drei Jahren in London“, erinnert sich Fox. „Er bombardierte mich mit Fragen – und setzte das über Monate fort. Er wollte alles verstehen - von der Frage, wie sich die Griechen bei einem festlichen Abendessen verhielten, bis hin zur Bedeutung, die Aristoteles für Alexander hatte. Meiner Ansicht nach liegt Olivers Stärke als Künstler, der Historie verfilmt, darin, dass sein Verstand ein wirkliches Gefühl für die Figur entwickelt. Er hat ein Auge für das epische Bild und ein Gespür für Dimension. Oliver hat sich ein hohes Ziel gesteckt, wirkliche Größe darzustellen, und Historiker wird überraschen, wie weit er in seinem Versuch gegangen ist, das Gleichgewicht des Erreichten, Gutes wie auch Schlechtes, zu vermitteln.“

Stones Film ist per Definition eine Interpretation, so wie jede historische Fiktion. Alexander hat vor langer, langer Zeit gelebt, und selbst die frühesten Geschichtsschreiber konnten nur Vermutungen anstellen, was wirklich damals passierte. „Es wäre völlig unmöglich, jedes Detail aus Alexanders außergewöhnlichem Leben in einen einzigen Film zu pressen“, bemerkt Lane Fox. „Außerdem gibt es Rätsel, die niemals gelöst werden können. Ich verstehe, warum Oliver sich entschied, bestimmte Vorfälle im Leben Alexanders auszulassen oder warum er in der Chronologie der Ereignisse kleine Veränderungen vornahm. Was unter anderem an Alexander so fasziniert, sind die Lücken in unserem Wissen über ihn. Sie lassen so viel Platz für unsere Fantasie.“

In der Einschätzung Oliver Stones überliefert Alexanders Geschichte die Antike. „Unglaublich ist an Alexander, dass er alle griechischen Mythen kannte und sie dann selbst auslebte. Er wurde von vielen Dämonen angetrieben, die man auch aus modernen Gesellschaften kennt. Eine der Hoffnungen, die ich mit diesem Film verbinde, ist, dass ALEXANDER den Menschen ein Gefühl für Geschichte zurückbringt. Dass es eine andere Zeit und andere Orte, Imperien, die die Welt regierten, und Männer gegeben hat, die große Träumer und Visionäre gewesen sind. Jedem, ganz besonders der Jugend, sollte dieses Gefühl von Geschichte, dieses Gefühl, dass Idealismus gelebt werden kann, vermittelt werden. Das darf niemals korrumpiert werden.“

Copyright (c) 2004 by Constantin Film


Special vom: 18.12.2004
Autor dieses Specials: Gastautor
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