HELLBOY DIRECTOR'S CUT - Disc 1Comicverfilmungen sind In wie noch nie. Mit den Großerfolgen von „X-Men“ und „Spider-Man“ hat sich diese neue Sparte des Films inzwischen als eigenes und massentaugliches Genre etabliert. Auch „Hellboy“ basiert auf einer amerikanischen Comicserie aus dem Verlag Dark Horse und wieder hat sich ein Fan der Serie auf den Regiestuhl gesetzt: Guillermo del Toro ("The Devil's Backbone", "Blade 2"). Dass mit Del Toro ein langjähriger Fan der hierzulande eher als Geheimtip geltenden Vorlage das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat, ist dem Film positiv anzumerken. Trotz kleinerer Abweichungen vom Ausgangsmaterial bleibt "Hellboy" dem Geist des Comics stets treu, wozu auch die permanente Mitwirkung des Hellboy-Schöpfers Mike Mignola beigetragen haben wird. Vor allem aber kann der Zuschauer bei jeder einzelnen Szene deutlich spüren, dass das gesamte Filmteam voller Begeisterung und Liebe an diesem Projekt gearbeitet hat.

Dazu gehören natürlich auch die Schauspieler, denen es gelingt, den z.T. monströsen Figuren glaubhaft Leben einzuhauchen - allen voran ist da Ron Perlman („Blade 2“) zu nennen, der mit Hellboy womöglich die Rolle seines Lebens gefunden hat. Der Darsteller, der schon mehrfach mit Regisseur Guillermo del Toro zusammenarbeitete, bringt nicht nur die entsprechende Physiognomie mit, um den großen roten Dämon zu verkörpern: Mit sichtlichem Genuss spielt er den Höllenjungen, der mit unerschrockener Selbstverständlichkeit Monster jeder Größe verdrischt, sich aber gleichzeitig von der Eifersucht auf den Rivalen, der mit seiner heimlich Angebeteten ausgeht, wie ein Teenager zu kindischen Aktionen hinreißen lassen kann.
Auch in visueller Hinsicht kann "Hellboy" überzeugen: Die Special Effects sind auf hohem Niveau, besonders das einleitende Beschwörungsritual und die apokalyptischen Visionen sehen eindrucksvoll aus. Die zahlreichen Stunts und Actionszenen sind kurzweilig und rasant und können sich technisch durchaus mit vergleichbaren Sequenzen aus den einschlägigen Konkurrenztiteln messen. Und natürlich orientiert sich die gesamte Bildgestaltung am Zeichenstil Mignolas: Viel Schatten, mit einigen wenigen kräftigen, aber nie zu grellen Farben als Kontrast - ab und an erkennt man sogar einzelne Motive aus den Heften wieder. Egal ob es rasante, humorvolle oder leise Szenen sind, der Film ist eine wunderbare Komposition aus Optik und Ton, gepaart mit Schauspielern in Bestform, und fängt die Stimmung des Moments - und der Comics - perfekt ein.
DVD-Aufarbeitung:
Das Bild der DVD erstrahlt in leuchtenden, kräftigen Farben und besonders der Kontrast kann selbst in den dunkelsten Szenen überzeugen. Einzig die Schärfe kann nicht immer voll mithalten. Dies hat aber auf den Sehgenuss keinen all zu großen Einfluss und beeinträchtigt ihn kaum. Der Sound hingegen ist ohne Makel. Wenn zu Beginn des Films das Höllentor geöffnet wird, dann zittern die Wände und man fühlt sich mitten ins Geschehen gerissen. Auch die Dialoge sind stets gut verständlich.

Der Director’s Cut von „Hellboy“ hat es wirklich in sich. Nicht nur, dass der Film um zirka 10 Minuten länger ist als die Kinofassung, die drei DVDs dieses Sets sind randvoll mit erstklassigen Extras, die zudem von Columbia TriStar allesamt mit deutschen Untertiteln versehen wurden. Disc 1 beginnt mit einer persönlichen Begrüßung durch Regisseur Guillermo del Toro, der ein paar Hinweise zu den Extras gibt. Dann steht der Director’s Cut in drei Versionen zur Verfügung; einmal ohne Kommentar, dann mit Del Toros Audiokommentar und schließlich der isolierte Musik-Score, zu dem der Komponist Marco Beltrami hin und wieder ein paar Kommentare zum Besten gibt. Die drei Extras „DVD Comics“ „Die rechte Hand des Verderbens“ und „Storyboards“ sorgen für zusätzliche Informationen während des Films. Drückt man nämlich an bestimmten Stellen des Films die „Enter“-Taste der Fernbedienung, werden zahlreiche Informationen eingeblendet wie z.B. die gezeichneten Vorlagen oder parallel zum Film laufende Storyboards. Der DVD-ROM-Teil enthält Web-Links auf das Original-Drehbuch, das Script Supervisior’s Book oder auf das Notizbuch von Guillermo del Toro.
Autoren der Besprechung:
Manuel Tants & Marcel Lanthemann
Copyright (c) 2005 by Columbia TriStar